Cancer Bats - Dead set on living

Cancer Bats- Dead set on living

Hassle / Soulfood
VÖ: 27.04.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Hardmetal

Metalcore ist ein seltsames Phänomen. Die Zeiten, als das mal der heiße Scheiß war, sind schon lange vorbei, trotzdem tummeln sich immer noch dutzende Bands mit Namen, denen man eigentlich kein langes Haltbarkeitsdatum zutrauen würde, in der Musikwelt. The Devil Wears Prada, Miss May I und August Burns Red lassen sich nicht unterkriegen, genau wie die älteren Vertreter des Genres, die schon Metalcore waren, bevor Deine Schwester das hip fand. Seltsam ist das Genre auch, weil seine Protagonisten es mitunter schaffen, aus zweien der im Urzustand unprätentiösesten Genres ein schmalziges Kitschwerk sondergleichen zu fabrizieren. Zum Glück machen Cancer Bats keinen Metalcore.

Die Kanadier haben vier Alben lang ihre eigene Nische am Rand verschiedener Genres gefunden, zu denen zweifellos und vorrangig Metal und Hardcore gehören. "Dead set on living" borgt sich allerdings noch mehr als sein Vorgänger Riffs und Ideen von "Bears, mayors, scraps & bones" aus den amerikanischen Südstaaten. Southern Metal und Sludge schleichen sich vor allem in die langsameren Abschnitte hinein. Eine Auflockerung ist das zwar nicht, wenn die ätzend polternde Hardcore-Strophe im Refrain von "D.S.O.L." verschmiert schleifenden Oberton-Riffs Platz macht. Aber eine willkommene Abwechslung zum woanders vorherrschenden Gitarren-Geprotze sind die geerdeten Sludge-Riffs allemal.

Zudem verstehen Cancer Bats es, nicht nur durch brutales Geprügel und gewaltige Geschwindigkeit aufzufallen, sondern treten auch mit langsamen Grooves gezielt in die Magenkuhle. "Bricks & mortar" erinnert durch diesen verschleppten und tiefer gelegten Hardcore ein wenig an Unsane oder LaFaro. Statt klinischer Sterilität suhlt sich die Band lieber im Sumpf, brummt sich in "Breath armageddon" zurückgelehnt von einem giftig spuckenden Refrain zum nächsten und hat mit "The void" sogar lupenreinen Doom zu bieten.

Die schnelleren Songs verlassen sich eher auf gut gespielten Hardcore und versuchen nicht, auf Zwang noch ein paar metallische Leadgitarren zwischen die Knüppelbeats zu schieben. Das staubtrockene "Road sick" holt seinen Punk aus dem selben 80er-Jahre-Koffer wie die Wüstenrocker von Fu Manchu. "Rally the wicked" ist der fiese Nackenbrecher, den eine großartige Hardcore-Platte kurz vor Schluss noch in petto haben muss. Und "New world alliance" ist der hymnisch stampfende Rausschmeißer, der eine gelungene Metal-Platte beenden kann. "Dead set on living" ist beides.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Bricks & mortar
  • Breath armageddon
  • Bastards!

Tracklist

  1. R.A.T.S.
  2. Bricks & mortar
  3. Road sick
  4. Breath armageddon
  5. D.S.O.L.
  6. The void
  7. Old blood
  8. Drunken physics
  9. Bastards!
  10. Rally the wicked
  11. New world alliance

Gesamtspielzeit: 38:50 min.

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  • Cancer Bats (18 Beiträge / Letzter am 22.02.2010 - 15:37 Uhr)

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