The Samuel Jackson Five - The Samuel Jackson Five

The Samuel Jackson Five - The Samuel Jackson Five

Honest Abe / Denovali / Cargo
VÖ: 30.03.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schweineprog im Weltall

Wenn nicht noch die leiseste Hoffnung bestehen würde, dass Post-Rock irgendwann mal wieder aus seinem Tief zwischen Laut und Leise auftauchen könnte, würden Alben wie "The Samuel Jackson Five" gleich auf dem Stapel für erledigte Platten landen. Scheiße, also wirklich: das Weltall, unendliche Weiten auf dem Cover? Erinnert eher an die Shrimpkins auf Benders Arsch als an die epische Dimension, die von den Norwegern da visuell angepeilt wurde. Aber nach bereits drei veröffentlichten Alben, die sogar in der Ursuppe des Post-Rock durch ihre Einzigartigkeit herausstachen, dürfte bekannt sein, dass The Samuel Jackson Five im vierten Streich mitnichten ihre mageren Fäustchen gen Himmel recken oder happy Songs für happy Menschen machen werden. Dafür sind die Jungs zu geerdet und eben doch mit einem Finger mehr beim Rock als beim Post. Melodie über Struktur, Rhythmus über Atmosphäre, so einleuchtend wie einprägend.

Und eben auch so bekannt. Denn durch diese Fokussierung geht die Innovation flöten. Mag "Electric crayons" vor allem wegen Sänger Thomas Bratlie von der Post-Hardcore-Band Rumble In Rhodos an The Mars Volta auf weichen Drogen erinnern, so stammen verschiedene Muster eindeutig aus dem Prog. Allerdings vermischt sich das auf "The Samuel Jackson Five" mit dem ursprünglichen Sound der Band. "Radio Gagarin" transformiert sich in seinen viereinhalb Minuten gleich mehrmals, denn trotz allem bleiben die Norweger eine Band mit einem sehr eigenständigen Material. Die verschiedenen Stimmen, die in einzelnen Tracks einfließen, bleiben Mittel und werden nicht zum Zweck. Die Geschichte liegt da draußen, also vor der Tür, nicht in den unendlichen Weiten. Wozu auch? Es geht The Samuel Jackson Five nicht um innen oder außen, sondern das Greifbare.

Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb da ein Sticker verzweifelt eine Nähe zu Arcade Fire beschwören will. Die ist natürlich irgendwie da - und auch wieder nicht. Denn eigentlich passt diese Platte in jedes Regal, weil sie auf ihrer eigenen Schiene bleibt, die so gut wie alle Spielarten des Rock doch irgendwann streift, um sich sofort davon wieder zu lösen. Stillstand ist der Tod, wenn man denn alte Sprüche von Küchenkalendern bemühen mag. Doch vielleicht ist der Kurs von "A perennial candidate" das schönere pars pro toto, um sich der Platte zu nähern - die sanfte Melodie, die sich hochzieht zu einer Kraft aus Gitarre, die ein Klavier mitnimmt und so sanft über den Rhythmus tanzt. Immer vorwärts gebunden an die Gravitation. Es kann nicht anders sein, es darf nicht anders sein. Es muss so sein. Und dann darf durchaus Benders Arsch aufs Plattencover.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Mockba
  • Radio Gagarin
  • A perennial candidate

Tracklist

  1. Never-ending now
  2. Mockba
  3. Electric crayons
  4. Radio Gagarin
  5. Race to the self-destruct button
  6. What floats her boat
  7. Ten crept in
  8. A perennial candidate
  9. Tremulous silence
  10. ...And then we met the locals
  11. Low entropy

Gesamtspielzeit: 41:53 min.

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