Andreas Johnson - Deadly happy

Andreas Johnson- Deadly happy

Warner
VÖ: 25.03.2002

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schwedische Gardinen

Früher war alles besser. Früher war Andreas Johnson noch "Glorious" - ein Schnuckel, wie er im Buche stand und wie ihm die Frauen scharenweise zu Füßen lagen. Ein Mann, der dem Britpop den Charme zurückgab und von Schweden aus zu neuem Verve verhalf. Und heute? Was ist heute? Heute lehnt Andreas an geschmacklosen Gardinen, für die sich sogar Mutter Beimer zu Tode schämen würde, seine Frisur scheint seit Wochen kein Shampoo mehr gesehen zu haben, sein Gesicht ist eingefallen wie ein Kartenhaus bei Windstärke zwölf und sein Blick zeugt von sieben Tagen Regenwetter. Was ist passiert?

Offenbar hat dem Sonnyboy irgendeine Petersilie die beleidigte Leberwurst verhagelt. "Tödlich glücklich" ist er, so fröhlich, daß er beinahe sterben könnte. Und beim Sprung aus dem vorhangverhangenen Fenster winkt er nochmal zitternd der schnöden schönen Welt hinterher, bevor sein Körper Bekanntschaft mit dem Asphalt macht und sich seine Innereien sich in alle vier Himmelsrichtungen verteilen. Wenn er singt "Baby, today will be the greatest day", dann klingt dies zunächst ähnlich optimistisch wie Kurt Cobains letztes "yeah" vor dem Griff zur Schrotflinte.

Doch der erste Eindruck trügt. Im wenig verheißungsvollen "End of the world" offenbart Johnson doch tatsächlich "This is not the end of the world / It's the beginning of a brand new day" und wirft dazu seinem besten Freund, dem Vorhang, ein schüchternes Lächeln zu. Und selbstredend bleibt dieser nicht der einzige Stoff, dem Johnson verfallen ist. Am Ende dreht es sich doch wieder nur um den einen, aus dem alle männlichen Träume gesponnen sind: Hingebungsvoll und mit allen Mitteln wird das holde Weib umschwärmt, umgarnt und in den Bann gezogen, ganz gleich ob mit einem fließenden "Waterfall" oder mit schauderhaften, aber wenigstens unmißverständlichen Songtiteln wie "Great undying love" oder "My love (Song for a butterfly)".

Also doch alles genau wie früher bei Andreas Johnson? Nun, in gewisser Weise schon. Schwelgereien wie "You make me beautiful" kommen immer noch pünktlich zum ersten Streichereinsatz, die Arrangements genauso klebrig wie Johnsons Frisur, und die Melodien so butterweich, wie außer Andreas Johnson-Melodien eben nur noch Butter. Schade nur, daß diesmal Stücke wie "Glorious" fehlen, potentielle Singles, die Andreas Johnson vorm drohenden Schicksal eines One-Hit-Wonders bewahren könnten und die leicht zu beeindruckende Frauenwelt wieder nach seinem Rockzipfel trachten ließe. Womit wenigstens das Cover erklärt wäre. Denn wenn zum Kuscheln schon niemand mehr da ist, bleiben immer noch die Gardinen. Die können sich wenigstens nicht wehren.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Waterfall
  • The greatest day

Tracklist

  1. Shine
  2. End of the world
  3. Waterfall
  4. The greatest day
  5. Brand new thing
  6. Spirit of you
  7. Great undying love
  8. Deadly happy
  9. The pretty ones
  10. This time
  11. Make me beautiful
  12. My love (Song for a butterfly)
  13. Starcrossed

Gesamtspielzeit: 48:03 min.

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