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Suit Yourself - Rockola

Suit Yourself- Rockola

F.A.M.E. / BMG
VÖ: 25.03.2002

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Road to nowhere

Erinnert sich noch einer an Jean-Claude van Damme? Der durchtrainierte Sympathieträger, der sich mit einem Spagat auf die Ringseile setzen konnte, ohne daß ihm die Eier aus der Hose zu fallen drohten? Ein Kunststück, für das ihn fast jeder frühpubertierender Dreibein-Träger beneidet und ihn gleich ein paar Wochen drauf am liebsten verteufelt hatte - weil er unter bestialischen Schmerzen feststellen mußte, daß es trotz der ersten Judo-Stunde beim Vorführen vor der ersten Freundin "rrrrrrippp" im Schritt gemacht hat. Nicht jeder ist zum Spagat fähig. Und wenn anstelle zweier Seile respektive Sitzgelegenheiten acht, neun oder zehn "Favorite Bands" als Stühle dienen, dann kann sich auch ein Reutlinger Quartett mit viermalzweigleichacht Stehstelzen nicht bequem breitbeinig platzieren, sondern fällt runter - mit weich auf hart.

Weich und hart - das ist auch das Grundproblem von Suit Yourselfs Debüt "Rockola": Nach dreizehn Songs ist bei den - sehr frei übersetzt - "Geh' Deinen eigenen Weg"-Jungs eben überhaupt nicht klar, wohin dieser führen soll. Da gibt es solche Feld-, Wald- & Wiesenweg-Songs wie "Ride on Mooney" oder "It's a shame", deren R.E.M.-Fury-Kreuzüber auf "Eldorado Sunrise" noch um übelriechende 70er-Anleihen à la LedZep verbreitert werden. Mit "Take my belief" biegen Suit Yourself auf den Grunge-Interstate, fahren mit "Turbo" auf die gute alte Autobahn weiter und donnern mit "My own way" mit Höchstgeschwindigkeit auf das verpaßte New Metal-Ausfahrtsschild. Talent alleine macht den Kreisverkehr eben noch nicht rund, und so reicht die hochtreibende Idee vom schnellen Rockerleben on the road nur für die Kreisstraßen in Baden-Württemberg.

Was einem an "Rockola" doch immer wieder die Lachträne ins Auge treibt, ist die Beharrlichkeit, mit denen die Reutlinger ihre vermeintliche Eigenständigkeit herausposaunen. Einem Kleinkind gleich, das wutüberschäumt mit dem Löffel auf den Tisch trommelt, brettert uns Marc seine saugeilen Durchhalteparolen auf dem Highway To Sell entgegen: "Here's my band, my work, my love / These are friends you would dream of / My inexhaustible source / One for all and all for one / Together we are really strong / I know we'll make it big."

Bravo Marc, wir verstehen Dich. Aber das gelingt nicht jedem: auf einer Mannheimer Musik-Gala, bei der die Band mit dem "Radio Regenbogen Award" ausgezeichnet wurde, durfte der Sänger sogar mal kurz nahe bei Verona Feldbusch stehen. In der RTL-Show "Punkt 12" hieß es dazu als O-Ton: "Kaum einer kam an Verona heran, außer einige Privilegierte wie dieser Fan." Sollte es mit dem charten und den Millionenverkäufen unverständlicherweise nicht klappen, haben Suit Yourself schon die passende Selbstkritik im Gepäck: "I have to get along my own way / I have to find out who I am", dröhnt es in "What I deserve". Eigentlich sagt man ja der Selbsterkenntnis den ersten Weg zu Besserung nach, nicht jedoch bei Suit Yourself. Deren Wege auf "Rockola" entpuppen sich durchgängig als Einbahnstraßen - das Quartett steht aber leider auf der Seite mit dem runden roten Zeichen und dem weißen Balken. Und kratzen sich ratlos am Kopf.

(Daniel Löb)

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Highlights

  • Convince me

Tracklist

  1. My own world
  2. Dear morning
  3. Eldorado sunrise
  4. Ride on money
  5. It's a shame
  6. Convince me
  7. Let's make it big
  8. Turbo
  9. Back again
  10. Summer sun
  11. Take my believe
  12. What i deserve
  13. Hypnotism

Gesamtspielzeit: 48:13 min.

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