Paradise Lost - Tragic idol

Paradise Lost- Tragic idol

Century Media / EMI
VÖ: 20.04.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

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Plattentests.de muss es ja wissen. Genauer gesagt Kollege Bellmann, der "Faith divides us - death unites us" 2009 zum legitimen Nachfolger von "Icon" und "Draconian times" erklärte. Paradise-Lost-Fans, die ob des 13. Studioalbums nun konstatieren, die Briten würden sich endlich wieder alter Stärken besinnen, sind also zumindest etwas spät dran. Doch besser spät als nie: In Zeiten, da die Bezeichnung Gothic-Metal mehrheitlich hochgeputschte, klassisch verbrämte Schwülstigkeiten und gesanglich zwar kompetente, aber auch verstiegen an den Nerven zerrende Frontelfen auf den Plan ruft, kommt ein Album wie "Tragic idol" gerade recht.

Und bitte nicht davon ins Bockshorn jagen lassen, dass die Mannen um Nick Holmes zuletzt als dezent schwarzgewandete Bestattungsunternehmer vor altertümlichem Gemäuer posierten. Dezent ist auf "Tragic idol" nämlich wenig - weder die donnernden Riffs, die Greg Mackintosh und Aaron Aedy vom Stapel lassen, noch Holmes' Stimme, die sich fernab von allzu cleanem Geknödel und übertriebenen Growls kräftig durch die Songs wühlt. Für Genrepuristen jedoch am wichtigsten: Die Keyboards bleiben überwiegend in der Holzkiste - nur gelegentlich rinnen im Opener "Solitary one" oder beim mächtigen "Crucify" einzelne Tropfen durch die dichten Gitarrenmassive.

Denn so reizvoll oder wenigstens ansatzweise interessant Platten wie "Host" oder "Symbol of life" auch waren: Ihre elektronische Schlagseite stünde dem Album mit dem rührend pflichtbewussten Metal-Titel vermutlich alles andere als gut zu Gesicht. Dabei liegt das Ziel von Paradise Lost weiterhin mehr in Kopf- als in Gemächthöhe: Das "Tragic idol" etwa steht statt im Schrein mit den sakrosankten Ikonen vielmehr in den Schlagzeilen einer schnelllebigen Revolverpresse oder auf den Bühnen omnipräsenter Castingshows, und sämtliche durchlittenen Höllenqualen spielen in einem unwirtlichen, aber erschreckend realen Diesseits. Und vor dem Tod sind alle wieder gleich.

Anders als der Schnitter sind die Songs auf "Tragic idol" dank Kompaktheit und robuster Produktion aber nicht nur gnadenlos, sondern auch gnadenlos gut. "Honesty in death" und das Titelstück hängen die dicken Mosh-Parts besonders tief, "Fear of impending hell" wälzt sich imposant zwischen Melancholie und wütender Eruption hin und her, und "Theories from another world" inszeniert temporeiches Fratzengeballer als Kapitalismuskritik mit der sechssaitigen Streitaxt. Und so sind Paradise Lost hier zwar weder sonderlich gothic noch extrem brachial, dafür aber doppelbödig und herrlich hart - und darum herausragende Vertreter ihrer dunklen Zunft. Ehrlich stirbt am längsten.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Crucify
  • Fear of impending hell
  • Tragic idol

Tracklist

  1. Solitary one
  2. Crucify
  3. Fear of impending hell
  4. Honesty in death
  5. Theories from another world
  6. In this we dwell
  7. To the darkness
  8. Tragic idol
  9. Worth fighting for
  10. The glorious end

Gesamtspielzeit: 46:01 min.

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User Beitrag
Dre Beats NZ
2013-06-18 09:31:33 Uhr
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brny
2012-09-01 18:15:34 Uhr
tolles, tolles album. würde mittlerweile sagen, ihr bestes und eingängigstes seit "one second".
Rent Reznor!
2012-05-08 15:15:34 Uhr
Habe bislang auf jedem Album 2-4 Songs gefunden, die mir richtig gut gefallen. Da macht glücklicherweise auch Tragic Idol keine Ausnahme. Trotz "Rückkehr" zum alten Sound klingen sie für mich erstaunlich frisch. Und: Endlich mal wieder ein richtig gutes Artwork.
Baroness
2012-05-07 18:40:03 Uhr
Schönes Cover. Ist das von Dyer Baizley?
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