Oberhofer - Time capsules II

Oberhofer- Time capsules II

Glassnote / Cooperative / Universal
VÖ: 04.05.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Pfeif drauf

Jahr für Jahr das gleiche Spiel: Mitte Dezember erscheinen hochgelobte Listen mit noch höher gelobten Künstlern, die man für die folgenden zwölf Monate auf dem Zettel haben sollte, möchte man etwas Zeitgeist atmen. Für 2012 wurden so auch Oberhofer gedropped und man denkt sich nach zwei bis drei White Russians, dass das zumindest schon mal ein großartiger Bandname ist, weil er so leichtfüßig auf die falsche Fährte lockt. Oberhofer - so heißen allenfalls bayerische Volksmusikanten oder österreichische Skifahrer, möchte man meinen. Eine angesagte Indiepop-Band aus Brooklyn würde man hinter diesem Namen jedenfalls eher nicht vermuten. Dass aus diesen wunderbaren Startvoraussetzungen nun leider doch keine bedingungslose Liebe erwächst, liegt an der recht schwachbrüstigen Musik. Schade.

Bevor wir aber an dieser Stelle mit der Nörgelei anfangen, sollten wir noch zu Protokoll geben, dass Oberhofer freilich den ein oder anderen feinen, kleinen Popsong auf Lager haben. Richtig toll ist etwa "Away frm u" [sic], weil irgendwo zwischen The Drums und Two Door Cinema Club noch ein Platz an der Indie-Rock-Theke frei war. Da wird dann also gepfiffen und getänzelt, es gibt zackige Gitarrenparts und nervöses Drumming, im Grunde also weit mehr als nur solides Indie-Handwerk. Auch der Opener "Heart" überzeugt, vor allem durch sein verspultes Geklimper und die Spielfreude, die in diesem herrlich-bunten Stück melancholischer Popmusik steckt. Die beiden genannten Stücke bilden somit auch die Highlights von "Time capsules II", wobei auch das flinke "Landline" oder "I could go" nicht von schlechten Eltern sind. Tipp am Rande: Für eine harmlos-fröhliche Frühlingsplaylist eignen sich diese Stücke allemal, man sollte sie also durchaus in Betracht ziehen, wenn man auf derlei Jahreszeitengedöhns steht.

Und dennoch gibt es am Debüt von Oberhofer zu viel auszusetzen, als dass man vor Freude Luftsprünge machen würde. Speziell in der zweiten Albumhälfte klingen die Songs wie von der Stange, als seien sie für die Hintergrundbeschallung bei H&M oder Starbucks gemacht. Das ist quirliger Weichspül-Indiepop für Shopping-Mall-Kids, die zwischen dem Verzehr zweier Iced Caramel Macchiatos die Zeit finden, das Album smarterweise herunterzuladen. Der Wiedererkennungswert geht hingegen leider gen Null, die Stücke sind zu konturlos, um Spuren im Gedächtnis zu hinterlassen. Vielleicht ist dies auch der Sinn hinter "Time capsules II": Kopf ausschalten, entspannen, Sorgen vergessen und mitpfeifen. So werden sich gewiss einige mit der Leichtfüßigkeit anfreunden können, mit der das Quasi-Quartett durch die Jahrzehnte hoppelt und auf der Durchreise von diversen Honigtöpfchen nascht. Hier mal ein wenig Flower Power, dort mal eine Prise New Wave, aber nie zu viel, man möchte ja flexibel bleiben. So bleibt unter dem Strich ein recht laues Lüftchen von Album, leicht hörbar zwar, aber wenig signifikant. Musik zum Abhaken, und das machen wir jetzt auch. Die Liste ist schließlich noch lang.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Heart
  • Away frm u

Tracklist

  1. Heart
  2. Landline
  3. Away frm u
  4. I could go
  5. Yr face
  6. oOoOoOo
  7. Cruising FDR
  8. Gold
  9. Haus
  10. Homebro

Gesamtspielzeit: 38:07 min.

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  • Oberhofer (9 Beiträge / Letzter am 12.10.2015 - 01:29 Uhr)