Morten Harket - Out of my hands

Morten Harket- Out of my hands

Island / Universal
VÖ: 13.04.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Geisterjäger

Natürlich: Wer die Geister so lange und erfolgreich gerufen hat wie Morten Harket, der wird sie so schnell nicht los. "Out of my hands" könnte mit polynesischen Gamelan-Orchestern aufwarten, mit Xylophon-Covern der schönsten Justin-Bieber-Songs - trotzdem bliebe es das Album danach, trotzdem würde jeder Hörer zumindest unbewusst auf das eine oder andere A-Ha-Erlebnis warten. Und so ganz und gar anders könnte Harket es ohnehin kaum machen, schon allein wegen eines ziemlich gewichtigen Faktors: Selbst mit 80 wird er wohl immer noch singen, als habe man ihm die Stimmbänder mit Kaschmir gepolstert. Auch "Out of my hands" profitiert davon, dass man dem Norweger deshalb seit drei Jahrzehnten schlichtweg gerne zuhört - vermutlich selbst dann noch, wenn er die eigene Steuererklärung intonieren würde.

A-Ha allerdings waren, auch wenn mancher das gerne vergisst, eben doch nicht nur Harkets Stimme, sondern auch eine Unzahl von Melodien und Hooklines, die viel Pop mit wenig Banalität verbanden. Alleine gelang das ihrem Frontmann zumindest auf seinem letzten Alleingang "Letter from Egypt" nicht ganz so gut, und auch dieses Mal bleibt der Eindruck zwiespältig: Eingängig sind zwar auch "Lightning" und "I'm the one" - aber auf eine merkwürdig schlagereske Art. "Keep the sun away" wiederum stützt einmal mehr die These, dass Auto-Tune kein Werkzeuge zur Aufwertung von Musik ist.

Zugleich gibt es aber auch schöne Beweise dafür, dass es anders geht - mal erwartbar, mal überraschend. "Scared of heights" einerseits ist gleich zu Beginn die vertraute Falsett-Hymne, die direkt an die letzten Takte von "Foot of the mountain" anzudocken scheint: Trotz üppiger Streicherbeladung hebt der Refrain so leichtfüßig ab, dass von Höhenangst keine Rede sein kann. Auf der anderen Seite lässt das kapitalismuskritische Kent-Cover "Burn money burn" erst einmal aufhorchen, denn mit einer englischen Version von "Kärleken väntar" hätte man hier genauso wenig gerechnet wie damit, dass ein solcher Song mit Harkets warmen Timbre funktionieren könnte.

Danach lassen besondere Vorkommnisse erst einmal auf sich warten. Ausgedehnte Synthesizer-Schwaden ziehen vorbei - meist gewohnt stilsicher, selten richtig auffällig. Fast will man nach dem Dance-Ausflug "Just believe it" schon einen schulterzuckenden Schlussstrich ziehen, als der Nebel sich doch noch einmal lichtet und den Blick auf ein Klavier freigibt: Der Titeltrack "Out of my hands" bringt im Vergleich zum Vorangegangenen deutlich weniger Arrangement-Ambitionen und deutlich mehr Melodie mit - und auch wenn es für Harkets Neubeginn wohl unfair ist: Plötzlich sind die Geister, die er rief, wieder ganz nah.

(Jana Fischer)

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Highlights

  • Scared of heights
  • Out of my hands

Tracklist

  1. Scared of heights
  2. Keep the sun away
  3. Lightning
  4. I'm the one
  5. Quiet
  6. Burn money burn
  7. When I reached the moon
  8. Listening
  9. Just believe it
  10. Out of my hands

Gesamtspielzeit: 38:19 min.

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