Die Ärzte - Auch

Die Ärzte- Auch

Hot Action / Universal
VÖ: 13.04.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das ganze Leben ist ein Spiel

Nicht alle wurden mit "Jazz ist anders" richtig warm. Die Ärzte-Hasser der alten Schule sowieso nicht. Die übersahen mit geübter Blindheit die Tatsache, dass die Berliner 2007 beileibe kein reines Blödel-Trio mehr waren, sondern dem Alter entsprechend textlich und musikalisch reifere Töne anschlugen. Aber auch die eigene Fanbasis nahm das komplett in Eigenregie produzierte Album nicht nur jauchzend in Empfang. Ob die lange Auszeit, die Farin Urlaub, Bela B und Rod Gonzalez während der Aufnahmen zu "Auch" ankündigten, damit zusammenhängt? Fakt ist, dass die selbsternannte "Beste Band der Welt" auf Album Nummer zwölf fast schon befreit aufspielt. Steht da etwa der Abschied schon fest?

Auch im 31. Dienstjahr sprühen Die Ärzte jedenfalls vor Kreativität, wie schon das abgedrehte Albumcover und die Aufmachung als Gesellschaftsspiel verraten. Der Opener "Ist das noch Punkrock?" verbindet wie gewohnt Energie, niveauvolle Ironie, debilen Humor und laute Gitarren. "Das hat so etwa den Coolnessfaktor / Von einem Gartentraktor", verkündet Urlaub im ruppigen Vier-Akkorde-Brett und könnte doch falscher nicht liegen. Die Art, wie sich die drei Protagonisten die Bälle zuspielen, hat überhaupt nichts Uncooles. Vielmehr lassen die unterschiedlichen Persönlichkeiten, die in den fair aufgeteilten Songwriting-Beiträgen aufscheinen, mehr denn je Parallelen zur späten Beatles-Ära zu. Man muss ja nicht gleich die Bands komplett auf eine Stufe setzen.

Beginnen wir mit Urlaub, der wie gewohnt breitbeinige Gitarrenrocker der unterhaltsamen Sorte ins Rennen schickt. "TCR" spielt mit Rock-Klischees und mutiert im Finale zum wahnwitzigen Ritt durch die Musikstile. Das düster-depressive "Fiasko" erinnert an Urlaubs starkes Soloalbum "Am Ende der Sonne", während das großartige "Cpt. Metal" die Fortsetzung des 2003er-Hits "Unrockbar" bildet - inklusive Metal-Breaks und der Extraportion Käse beim Gniedelsolo. "Wie oft hast Du dich heute schon gefragt / Warum klingt dein Radio wie 'ne Liveschaltung zum Supermarkt?" Ein Fall für den titelgebenden Superhelden und vor allem ein herrlicher Spaß.

Kollege Bela B. verzichtet diesmal auf Vampir-Schmonz und besinnt sich auf luftigen Pop-Punk. "Bettmagnet", "Das darfst Du" und "Freundschaft ist Kunst" sind besser als alles, was der Schlagzeuger auf seinem schwachen Solo-Output "Code B" verbrochen hat. Doch der heimliche Gewinner im Songwriter-Wettstreit heißt Gonzalez. Schon in früheren Kompositionen ließ der stille Chilene sein Faible für britischen 60s-Rock aufblitzen, doch nie zuvor gelang ihm die Verbindung von Melancholie und Melodie so gut wie in "Sohn der Leere" und "Tamagotchi". Mit dem munteren "Angekumpelt" liefert Gonzalez zudem einen gelungenen Facebook-Diss und die denkwürdige Textzeile: "Du willst Freunde adden / Ich bin heut' Dein Armageddon".

Am Ende lässt "Auch" nur wenige Fragen offen. Warum wurde mit "ZeiDverschwÄndung" ausgerechnet der schlechteste Song vorab als Single ausgekoppelt? Warum musste Rod seinen tollen Gesamteindruck mit dem banalen "Die hard" trüben und hat statt dessen "Quadrophenia" als B-Seite verschwendet? Und zu guter Letzt noch: War's das wirklich für Die Ärzte? Wenn die Gerüchte stimmen und die "Beste Band der Welt" tatsächlich nicht mehr aus der angekündigten Pause zurückkehrt, hätte sie sich zumindest mit einem starken Album verabschiedet.

(Mark Read)

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Highlights

  • Sohn der Leere
  • TCR
  • Tamagotchi
  • Cpt. Metal

Tracklist

  1. Ist das noch Punkrock?
  2. Bettmagnet
  3. Sohn der Leere
  4. TCR
  5. Das darfst Du
  6. Tamagotchi
  7. M&F
  8. Freundschaft ist Kunst
  9. Angekumpelt
  10. Waldspaziergang mit Folgen
  11. Fiasko
  12. Miststück
  13. Das finde ich gut
  14. Cpt. Metal
  15. Die hard
  16. ZeiDverschwÄndung

Gesamtspielzeit: 51:59 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
paphan
2013-01-11 06:46:37 Uhr
[i]"Wenn das Metal-Genre selbst im Text [von Cpt. Metal] noch irgendwie verarscht werden würde wärs cool, so aber ist es einfach nur ein Einkloppen auf weiche Ziele, die, wie du schon schreibst, zudem auch schon seit Jahren nicht mehr relevant sind."[/i]

Obwohl sich das Lied ja den Stil des Metal-Genres aneignet, finde ich doch, dass es auch wenigstens halbwegs ironisch auf die Hartnäckigkeit von Metal-Bands hinweist. Metal ist im Mainstream eigentlich auch nicht mehr relevant, besteht aber weiterhin als eine Art Subkultur, also würde ich mal die Behauptung wagen, dass die Figur des "Cpt. Metal" als alleinig verbleibendem Kämpfer gegen Pop-Diven doch irgendwie als Verarschung gemeint ist.
isch gläube nüscht
2013-01-09 01:06:27 Uhr
Is des nöch Punkröck?
G&V
2012-10-21 22:18:51 Uhr
erinnert mich an männer sind schweine

Vielleicht ist das gerade das Schlimme an diesem Lied. Die Ärzte scheinen Spaß daran zu haben, aus "auch" die schlechteren Songs auszukoppeln. Na gut, die neue Single geht endlich mal in Ordnung, aber auch die ist nicht das Gelbe vom Ei. Das wären Großtaten wie "Sohn der Leere" und "Fiasko".
biggy
2012-10-21 17:55:32 Uhr
wie geil ist eigentlich m&f? hab den megaohrwurm. erinnert mich an männer sind schweine.

geil!
Bonusdreck
2012-09-22 22:54:07 Uhr
Oh ja, B-Seide, die ist echt angenehm!
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