Spiritualized - Sweet heart, sweet light

Spiritualized- Sweet heart, sweet light

Double Six / Domino / GoodToGo
VÖ: 13.04.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Glauben machen

Der Allmächtige und Jason Pierce - erfahrungsgemäß eine schwierige Beziehung. Dass der Spiritualized-Frontmann eine Schwäche für Gospelchöre und gottesfürchtige Anrufungen hat, heißt nämlich noch lange nicht, dass er seinem Schöpfer auch über den Weg traut oder gar an ihn glaubt. Ein omnipräsenter Themenkreis bei Spiritualized, den "Songs in A & E" zuletzt ein wenig aus dem Fokus gerückt hatte, der auf "Sweet heart, sweet light" aber wieder präsenter ist. Wobei das statt des Bandnamens auf dem Cover prangende "Huh?" die amüsante Lesart anbietet, Gott könnte unter Umständen schwerhörig sein - zumindest nach einer Runde Spiritualized in massiver Lautstärke kein ganz abwegiger Gedanke. Und doch wäre es nur das halbe Vergnügen, bei einer Single wie "Hey Jane" nicht richtig aufzudrehen.

Schon lange stand eine Rhythmusgitarre nicht mehr so herrlich stumpf im Raum, während sich quietschige Licks und hyperaktives Georgel nach Kräften bemühen, ihr hektisches Metronom zu übertönen und Pierce so nölig singnuschelt, als hätte er bei den Aufnahmen nicht einmal die Sonnenbrille abgesetzt. Zwar ist der Song mit knapp neun Minuten nur halb so lang wie The Velvet Undergrounds "Sister Ray" - trotzdem erinnert "Sweet heart, sweet light" nicht nur im Titel, sondern auch in seinen durchgeschmortesten Stakkato-Parts überdeutlich an deren Album "White light / White heat". Zuweilen aber auch an einen Anfall allzu bedröhnten Selbstmitleids, was mitunter gar nicht das Schlechteste ist. Vor allem, wenn sich Pierce an überaus irdischer Unbill abarbeitet.

Zauberhaft, wie sich die von Phil Spector informierte, rührselige Breitwand-Ballade "Too late" gleich mehrere Tränen aus dem Knopfloch drückt, weil die Liebe meist nicht so will wie man selbst und die Frau Mama mit ihren mahnenden Worten weiland leider doch Recht hatte. Zu blöd - aber immerhin Stoff für einen herzzerreißenden Song, mit dem man bei Spiritualized jederzeit rechnen muss. Denn Pierce konnte noch nie aus seiner Haut - auch nicht als musikalisch versierter Mittvierziger. Auch wenn er auf "Sweet heart, sweet light" in einem psychedelischen Pop-Strickmuster verhaftet bleibt, das angesichts pflichtbewusster Erfüllung der stilistischen Ansprüche an sich selbst einfach nicht mehr zu überraschen vermag. Immerhin ist es aber auch hier mehrheitlich von Vorteil, dass man weiß, was man hat.

Mit "Headin' for the top now" etwa einen im Grunde simpel rotierenden Space-Rock-Standard, der aber mit humpelnden Pianos, hochfahrenden Chören und allerlei Gebimmel und Gegeige beschossen wird, bis er sich schließlich auflöst. In Wohlgefallen, versteht sich. "Freedom" und "Life is a problem" sind dagegen wenig mehr als schwülstig mäandernde Balladenskizzen - da tut es wohl, wenn "I am what I am" noch einmal Schellenkranz, demolierte Saxophone und weiblichen Backgroundchor aus der Versenkung hervorholt und dabei jegliche Sympathie für den Teufel ausspart. Stattdessen heißt es "Help me Lord, help me Jesus / Cause I'm hurting inside" - wenig später allerdings auch "I got no reason to believe in anything." Es steht also zu hoffen, dass der Herrgott mal wieder nicht richtig hingehört hat. Wenigstens an den entsprechenden Stellen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Hey Jane
  • Too late
  • Headin' for the top now

Tracklist

  1. Huh? (Intro)
  2. Hey Jane
  3. Little girl
  4. Get what you deserve
  5. Too late
  6. Headin' for the top now
  7. Freedom
  8. I am what I am
  9. Mary
  10. Life is a problem
  11. So long you pretty thing

Gesamtspielzeit: 59:42 min.

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