Sinead O'Connor - How about I be me (And you be you)

Sinead O'Connor- How about I be me (And you be you)

One Little Indian / Rough Trade
VÖ: 09.03.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Ordnungsverhüterin

Was ist bloß mit dieser Frau los? Ist das alles nur ein lebenslanger, riesengroßer PR-Coup, nach dem Motto: Auch schlechte Presse ist gute Presse? Oder ist Sinead O'Connor, ohne ihr zu nahe treten zu wollen, wirklich ganz einfach nur vollkommen durchgescheppert? Wir erinnern kurz, was die gläubige Katholikin seit der Veröffentlichung ihres letzten Studioalbums vor rund fünf Jahren Gutes für den Boulevard getan hat: eine Scheidung, eine weitere kurzfristig einberaumte Ehe, die vierte, auf der Kippe, die erst durch O'Connors Webaufruf nach einem möglichst sexhungrigen Mann zustande kam. Nach der öffentlichen Trennung die öffentliche Bekundung wieder zusammen zu sein. Dazu freimütige Ü18-Liebesbriefe an Bob Dylan auf ihrer Website, in denen O'Connor einiges zu verarbeiten scheint. Kaum eine Woche also, in der die Irin die Welt nicht mit etwas Privatem über die sozialen Netzwerke beglückt.

Aber auch wenn es so scheint: O'Connor ist nicht einfach nur verrückt. Dieselbe Frau setzt sich vehement für den Frieden ein und fährt große, laute Geschütze auf, wenn es um das Thema des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche geht. Der Papst und seine Claqueure sollten höllisch aufpassen, dieser Dame niemals persönlich über den Weg zu laufen. Und zwischendurch, in diesem ganzen Wirrwarr aus Gefühlen und anstrengendem Einsatz für das Gute in der Welt, kommt ganz überraschend auch noch ein neues Studioalbum, das mittlerweile neunte, von irgendwo daher. Und das ist trotz allem sehr, sehr aufgeräumt und erstaunlich schön geworden.

Gleich zu Beginn kanalisiert O'Connor ihr wahrscheinlich selbstgemachtes Leid mit den Männern und ihre Sehnsucht nach dem großen Griff in einem wunderbaren Folksong: "Gonna put my pink dress on / And do my hair up tight / I'm gonna put some eyeliner on / I'm gonna look real nice / I'm going down to the church / On 4th & vine / I'm gonna marry my love / And we'll be happy for all time." Die Ernüchterung folgt mit der großen Ballade "Reason with me", die die Nähe zu O'Connors größtem Hit nicht verheimlichen kann, auf dem Fuße: "Oh so long I've been a junkie / I ought to wrap it up and mind my monkeys / I really want to mend my ways." Die Dämonen, die sie quälen, kann sie nicht so einfach abschütteln. Wie auch, mit einer mittlerweile diagnostizierten bipolaren Persönlichkeitsstörung?

Wie durch ein Wunder schafft es O'Connor für "How about I be me (And you be you)" sich und ihre Welt für einen kurzen Moment zu ordnen, in Einklang zu bringen und ein mitunter hinreißendes Popalbum aufzunehmen. Dabei wechseln sich ruhige, eindringliche Songs wie "Back where you belong" in schöner Regelmäßigkeit mit gitarrenlastigeren Stücken wie "The wolf is getting married" ab, bis sich dieses überraschend unanstößige Album im ätherischen "V.I.P." sanft zur Ruhe legt. Man mag von Sinead O'Connor halten, was man möchte, aber abstreiten, dass die Irin ein Original mit immer noch großem Talent ist, wird wohl kaum einer können. Nothing compares 2 her.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • 4th and vine
  • Reason with me

Tracklist

  1. 4th and vine
  2. Reason with me
  3. Old lady
  4. Take off your shoes
  5. Back where you belong
  6. The wolf is getting married
  7. Queen of Denmark
  8. Very far from home
  9. I had a baby
  10. V.I.P.

Gesamtspielzeit: 45:05 min.

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