La Sera - Sees the light

La Sera- Sees the light

Hardly Art / Cargo
VÖ: 30.03.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Nächste, bitte!

Bis zuletzt nennt diese Platte niemanden beim Namen. Noch zeigt sie mit dem Finger auf die Menschen, die dafür gesorgt haben, dass sie ist, wie sie ist. Vielleicht hat das einen Grund: Zwar ist "Sees the light" gut abgefüllt mit Schwanenliedern und Abgesängen auf Beziehungen, die längst mit Karacho implodiert sind. Ob Katy Goodman alias La Sera hier aber immer ihre eigenen Fehltritte besingt, statt in ein Kostüm zu schlüpfen und fiktive Herzschmerz-Geschichten unter die echten zu mischen, verrät sie nicht. Und in welchen Songs genau, das erst recht nicht. Es ist eines dieser Rätsel, die einen noch lange beschäftigen, nachdem der letzte Klang des letzten Songs von "Sees the light" sich längst verabschiedet hat. "Don't stay" heißt der. Nach letzter Umarmung klingt er – nach allerletzter Umarmung. Muss ja irgendwie.

Katy Goodman ist ein Phänomen. Ein weiteres Rätsel, warum diese Frau nicht schon längst ihren eigenen Thread im hiesigen Forum hat. Sie muss Mitte bis Ende zwanzig sein, ist proper, mit Kussmund und all dem Kess gesegnet, auf den Indie-Mädchen sonst immer ganz eifersüchtig sind, wenn Indie-Jungs von ihr erzählen, ihre Poster aufhängen oder ihre Platten hören. Ihr feuerrotes Haar spielt ihr um die Schultern, auf denen sie unter anderem einen Milkshake-Becher samt Schaum und Cocktail-Kirsche tätowiert hat. Sie spielt Bassgitarre und singt so, als sei sie eine Milchstraßen-Elfe auf Erdenurlaub. Und wenn sie das tut, wirkt selbst Paz Lenchantin in ihren Hochhackigen aus dem David-Fincher-Clip zu A Perfect Circles "The hollow" deplatziert wie eine überdresste BWL-Studentin, die sich versehentlich in einen Rockmusik-Clip verlaufen hat. Das Beste daran: Das macht Goodman auf dieser Platte gleich zehnmal am Stück – und oh là là!

Goodman braucht auf diesem Album keinen Augenkontakt zu ihrem Publikum, um es zu erweichen. Ihr Solodebüt "La Sera" war traumhaft charmant gespielter Indiepop, der ähnlich aus der Zeit geplumpst klang wie die Girlband-Vinyls der 60er, auf den er sich in jedem Takt bezog. "Sees the light" setzt genau hier an: Gleich im ersten Song "Love that's gone" wollen wieder diese Dengelgitarren wie von früher partout nicht zu Potte kommen, Goodman schließt ihre grünen Kulleraugen und schickt ihren Refrain-Versen ein "Uh-huh-huh" mit Kussmund hinterher. Musik, charmanter als das Lächeln von Scarlett Johansson. Sie muss erst gar kein "Nein!" akzeptieren, weil sie außer von militanten Slayer-Fans kein "Nein!" als Reaktion erhalten dürfte.

Erst danach wird Katy Goodman nach und nach ihr Faible für Punkrock offenlegen: Etwa, wenn sie "Please be my third eye" anspielt – einen Track wie eine nicht für möglich gehaltene Zusammenarbeit von Blondie und The Ramones. Dort sirent sie wieder unvergleichlich und legt Bratgitarren drunter. Richtig wütend wird Goodman dabei nie, dabei hätte sie bei all den in Folk- und Indiesongs eingelegten Trennungs-Geschichten auf "Sees the light" gleich zehn Gründe dazu. "I wish you would see that you're not the one for me", singt Goodman einmal, schreien und fluchen tut sie nie. Dabei nennt sie sich in ihrer richtigen Band Vivian Girls auch "Kickball Katy", und wir wollen bei all den traurigen Männergeschichten auf dieser Platte eigentlich gar nicht mehr wissen, wo der Name herkommt. Aber wenn es beim nächsten Mal wieder nicht klappt: Nimm uns trotzdem, Katy!

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Love that's gone
  • Please be my third eye
  • I can't keep you in my mind

Tracklist

  1. Love that's gone
  2. Please be my third eye
  3. I can't keep you in my mind
  4. Break my heart
  5. It's over now
  6. I'm alone
  7. Real boy
  8. Drive on
  9. How far we've come now
  10. Don't stay

Gesamtspielzeit: 30:08 min.

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