Human Don't Be Angry - Human Don't Be Angry

Human Don't Be Angry- Human Don't Be Angry

Chemikal Underground / Rough Trade
VÖ: 20.04.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Nicht ganz bei sich

Hieße er Felicia Fancybottom, Hotte Brackwasser oder gar Til Schweiger, wäre die Sache wohl klar. So aber ist es zunächst ein kleines Rätsel, weshalb Malcolm Middleton nach so einigen Platten unter eigenem Namen auf einmal ein Pseudonym für seine Solopfade braucht. Seine eigene Erklärung verwirrt zunächst gar noch mehr: Er habe sich, so Middleton, wieder ganz auf Gitarren und Melodien konzentrieren wollen und hatte das Gefühl, eben dieses als er selbst nicht schlüssig tun zu können. Was verständlich wäre, wenn Middleton bisher so etwas wie Jazz-Core-Psychedlic-Spacefunk gespielt hätte. Doch, wie man weiß, waren seit dem Ende von Arab Strap eben jene Gitarren und Melodien ohnehin seine liebste Spielwiese - wie bei Arab Strap im Grunde ja auch schon. Es muss also irgendetwas anderes los sein mit Human Don't Be Angry. In der Tat: Seit guten zwei Jahren dronet, loopt und hallt sich Middletons Gitarre unter diesem Namen über Englands Konzertbühnen, nachzuhören etwa hier. Und auch auf dem gleichnamigen Debüt ist nun manches durchaus neu - neben so einigem Altbewährtem.

So überrascht gleich der Opener "The missing plutonium" mit einer Melodie, die auch Titelthema einer 1980er-Jahre-Weihnachtsserie sein könnte, während das eigentliche "H.D.B.A. theme" seine Indietronics auf typisch gezupften Mogwai-Akkorden aufbaut. Mehrere Synthies kontern periodisch, ein E-Piano vertieft die Harmonien, modulierte Frauen- und Männerstimmen wiederholen das Motto von Song, Album und Projekt bis zum mentalen Kollaps. Zu "First person singular, present tense" bekommt Middleton schließlich erstmals selbst die Klappe auf, mümmelt sich zu einem sanft ratternden Beat aber auch nur an ein und demselben Satz fest. Bis sich die Drum Machine in Oldschool-HipHop-Stampfen rettet und eine synthetisch übersteuerte Sologitarre das Heft in die Hand nimmt. Man muss sagen: Wenn Middleton das gemeint hat, so glaubt man ihm, dass er für sein Freispiel dringend einen neuen Namen benötigte.

Doch natürlich spielt "Human don't be angry" in einigen Songs doch auch eher klassischen Middleton. "Monologue: River" und "Asklipiio" lassen die Gitarren elegisch perlen und die Klaviere grollen, nehmen sich ihre fünf bis sieben Minuten, um aufs seicht brausende Finale zuzusteuern. Middleton hat auch endlich was zu erzählen, und er tut es im, nun ja, "klarsten" Knuddel-Mich-Schottisch. Zu "Jaded" darf der Beat dann wieder zucken und brubbeln, und die Glockenspiele vibrieren, während die Gitarre die Anmutung von The Album Leaf zwischenzeitlich in einige Mathrock-Tappings zerstäubt. "1985" versteckt seine Melancholie schließlich kongenial unter auf den Beat geklatschten "Hey"s und gelooptem Stimmen-Kauderwelsch. Doch, doch, so manche spinnerte Idee von "Human don't be angry" geht prima auf. Und dass die Melodien ebenso simpel wie groß und effektiv sind, versteht sich bei Middleton ohnehin von selbst.

Was dem Album dann aber doch einen kleinen Strich durch die Rechnung macht, ist die Tatsache, dass es Produzent und Label-Chef Paul Savage nicht durchgängig glückt, Middletons Eingebungen auf ein zugleich spannungsreiches und konsistentes Soundbett zu legen. Da klingt eine Gitarre schon mal kurz nach den Scorpions, will sich die ein oder andere Bassdrum nicht ganz ins Arrangement fügen und manche Modulation tönt eine Spur zu synthetisch. Schade und seltsam, denn in der Regel hat Savage ja durchaus stets das richtige Gespür. Vielleicht wusste aber auch er das mit dem neuen Namen einfach nicht so richtig einzuordnen - und schwatzte Middleton deshalb, so dieser selbst, immer mehr klassiches Instrumentarium auf, bis vom geplanten Ambient nicht mehr viel übrig war. Es bleibt ein gut klingendes Rätsel, weshalb.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • H.D.B.A. theme
  • 1985
  • Asklipiio

Tracklist

  1. The missing plutonium
  2. H.D.B.A. theme
  3. First person singular, present tense
  4. After the pleasuredome
  5. Monologue: River
  6. Jaded
  7. 1985
  8. Asklipiio
  9. Getting better (at feeling like ****)

Gesamtspielzeit: 47:07 min.

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