Rolf Zuckowski - LeiseStärke

Rolf Zuckowski- LeiseStärke

Musik für Dich / Universal
VÖ: 16.03.2012

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kinderkram

Okay, es ist Zeit für ein Geständnis. Eines, das bei einem respektablen Portal wie Plattentests.de durchaus seine Brisanz hat. Pünktlich zum ersten Advent ist es bei der Verfasserin dieser Zeilen vorbei mit allen musikalischen Qualitätsmaßstäben. Advent, das heißt: Zeit für die ersten Weihnachtsplätzchen. Spritzgebäck, seit zwanzig Jahren das gleiche Rezept: Mehl, Butter, Puderzucker und Rolf Zuckowski. Nicht nur "In der Weihnachtsbäckerei", es muss schon das ganze Weihnachtsprogramm sein.

Besorgniserregend? Vielleicht, aber kein Einzelfall. Wer in den letzten dreißig Jahren seine Kindheit in Deutschland verbracht hat, der hat in positiver oder negativer Form ein Rolf-Zuckowski-Trauma davongetragen: Entweder, er kämpft noch heute mit unangenehmem Ausschlag, sobald er an Tweety die Gitarre oder die Vogelhochzeit denkt. Oder aber er beobachtet sich selbst mitunter bei merkwürdigen nostalgischen Rückfällen - und sei es nur einmal im Jahr beim Plätzchenbacken. Erstaunlich oder bedenklich: Der Chef war überrascht, wie viele aus der Redaktion sich für eine Rezension gemeldet haben, als die Kunde eines neuen Albums des 64-Jährigen die Runde machte, was erst mit für grünes Licht für diesen Text sorgte.

Ausblenden lässt sich die Erinnerung nicht. Zuckowski, längst mehrfacher Großvater, kann sich auf "LeiseStärke" noch so sehr an erwachsene Hörer richten - er bleibt der Kindheitsbegleiter von früher. Kein Wunder, denn eigentlich hat sich an dem sanft-optimistischen Ganzen ja wenig geändert. Selbst die Akkordfolgen klingen vertraut, die Texte tun es ohnehin. "Wenn wir uns wiedersehen, denkst Du, die Zeit bleibt stehen", singt die altbekannte Stimme, und so fad das alles aus heutiger Sicht klingt: Ein bisschen fühlt es sich trotzdem an, als würde man noch einmal Omas Apfelpfannkuchen essen.

Rolf Zuckowski ist auf ewig in der Geborgenheit von damals zuhause, dort eben, "wo Dritter sein noch Siegen heißt". Coolness? Für den Mann, der schon so lange "Du da im Radio" schmettert, ist die in etwa so bedeutsam wie eine Bergsteigerausrüstung für den durchschnittlichen Niederländer - und das erlaubt eben auch Merkwürdigkeiten wie "Weltmeistersommer" oder "Zirkus", die in der Tat in sämtlichen Kindergärten der Republik ihre Fangemeinde finden dürften. Sich darüber lustig zu machen läge nahe. Fair wäre es nicht, denn tatsächlich ist "LeiseStärke" abwechslungsreicher produziert als vieles aus der angesagteren deutschsprachigen Verwandtschaft. Der knackigen Frank-Morgan-Interpretation "Gib' mir mehr davon" (im Original "Sing your freedom song") kann man seine Anerkennung ebenso schwer verwehren wie dem Titelsong: "LeiseStärke" ist ein entspannter Chanson für Zuckowskis Frau, mit der er - wen überrascht es - seit mehr als vierzig Jahren verheiratet ist. Natürlich, Rock'n'Roll geht anders - aber wenn die zeitgleich erschienene Deutschrock-Alternative auf den Namen "Unheilig" hört, ist es ohnehin sicherer, mit Rolf Zuckowski in Richtung Kindheit zu flüchten.

(Jana Fischer)

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Highlights

  • Gib' mir mehr davon
  • LeiseStärke

Tracklist

  1. In all den Jahr'n
  2. Gib mir mehr davon
  3. Lebensräume - Lebensträume
  4. Heimweh
  5. Für dich
  6. LeiseStärke
  7. Weltmeistersommer
  8. Mein Fluss
  9. Willkommen im Zirkus
  10. Ein Lächeln
  11. Wenn das Jahr zu Ende geht
  12. Vogel ohne Flügel

Gesamtspielzeit: 39:14 min.

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