TheeSatisfaction - Awe naturale

TheeSatisfaction- Awe naturale

Sub Pop / Cargo
VÖ: 07.04.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Motherfunking funk

Endlich wieder Musik, die bis in den letzten Winkel des Hirnes zieht. TheeSatisfaction aus Seattle pusten alle Kanäle frei. Dabei mutet der Sound des Damen-Duos aus Stasia Irons und Catherine Harris-White weniger nach LSD und Heroin als nach ärztlich verschriebenen Psychedelika an. Sorgenfrei ziehen Synthieflächen dahin, ein paar Samples laufen zusammen, während die beiden Stimmen ihr Mantra wiederholen - das Bild bleibt auf ihrem Debüt "Awe naturale" fast gleich, doch die Untertöne, Nuancen und Kleinigkeiten verändern sich oft und gerne. 30 Minuten als klinisch verschrobene Erfahrung zwischen Funk, Soul, Rap und den ganzen Splittern, in die Irons und Harris-White mit der Hand packen.

Bei dem ganzen Paket zieht am ehesten noch "Queens" als konventionelle Nummer. "Whatever you do / Don't funk with groove." Für eine kurze Zeit hält Pop und so was wie Nahbarkeit Einzug auf "Awe naturale", bevor "Existinct" wieder mit Pianotasten feuert, die nur wenige Noten kennen und noch weniger für eine Melodie brauchen. Immer wieder fixt diese Platte einen an, bevor der kalte Entzug folgt. Schizophrenie als Methode, als hinterfotziges Konzept, um den Hörer in die Abhängigkeit zu treiben. Die Endorphine schießen noch mehr durch die Bahnen, wenn sich in "God" Shabazz Palaces für den Einsatz der beiden Damen auf "Black up" revanchieren. Da teilt sich jemand nicht nur das Label, sondern auch die Haltung. Allerdings bleibt der Afrozentrismus bei TheeSatisfaction ein Thema unter vielen. Und bei aller Komplexität: "Awe naturale" ist mit jeder Faser auf diesem Planeten verwurzelt. Dafür sind die Rhythmen zu bodenständig. Die Gedanken mögen zwar oft wirr anmuten bei Irons und Harris-White, trotzdem bewegen sie sich nie in die Höhe.

Vielmehr breiten sich die Melodien aus, machen sich Platz in der Fläche. Unter "Needs" grollt zwar ein Antrieb, doch der säuselnde Voodoo macht die Knochen schwer. Selbst "Deeper" köchelt nur auf kleinen Takten, die vor sich hin kreiseln. Und auch wenn der ganze Spuk etwas mehr als 30 Minuten anhält, erzielt er seine Wirkung. Haben Parliament und Funkadelic den Groove stets gen Licht gehoben, legen ihn TheeSatisfaction in Ketten bei Brot und Wasser, so lange, bis die Mangelernährung erste Halluzinationen hervorruft. Auf dem feuchten Boden dieses Gefägnisses wachsen ja auch genug Sprösslinge wie "Earthseed" und "Juiced", die man futtern kann im Fall der Fälle. Das Ergebnis ändert sich allerdings nicht. Das Spiel könnten TheeSatisfaction noch gemeiner, noch effektiver spielen - das tun sie allerdings nicht. Denn dafür ist das Duo doch zu sehr eins. Aber wer weiß, vielleicht ist "Awe naturale" nur die Vorsorge, und die Behandlung kommt erst noch. Könnte jetzt ein klein wenig pieksen.Aber bis dahin gilt: Weit aufmachen, das Hirn.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Earthseed
  • Queens
  • Sweat
  • God

Tracklist

  1. Awe
  2. Bitch
  3. Earthseed
  4. Queens
  5. Existinct
  6. Deeper
  7. Sweat
  8. Juiced
  9. God
  10. Enchantruss
  11. Needs
  12. Crash
  13. Naturale

Gesamtspielzeit: 30:33 min.

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