Soundtrack - The hunger games: Songs from District 12 and beyond

Soundtrack- The hunger games: Songs from District 12 and beyond

Universal
VÖ: 23.03.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wald vor lauter Bäumen

Es fing an wie so oft: mit einem Jugendbuch. Die Trilogie "Hunger games" - deutsch: "Die Tribute von Panem" - ist eine finstere Antiutopie, in der die Einwohner eines totalitaristischen Staates nach Krieg und Naturkatastrophen Hunger leiden und Jugendliche zu tödlichen Gladiatorenkämpfen mitten im Wald antreten müssen. Idealer Stoff für ein Lesepublikum, dem Harry Potter zu versponnen und "Twilight" zu albern ist. Naheliegend, dass der Bestseller unlängst mit "Starship Troopers"-Großkariertheit, Science Fiction nach Art von "Running Man" und bösem "Battle Royale"-Zynismus verfilmt wurde - Brot und grausame Spiele, Medienschelte fürs Reality TV und Liebesgeschichte inklusive. Die "Zeit" tobt, der "Spiegel" jubelt. Nur Plattentests.de hält sich geschlossen und nimmt lieber die musikalische Seite des Ganzen unter die Lupe.

Denn auf dem Album zum Film lädt Produzent T-Bone Burnett führende Americana-Spezialisten, Indie-Folk-Koryphäen und weibliche Popsternchen zum Gruppenkuscheln angesichts einer tränenreichen, von einem unmenschlichen Regime bestimmten Welt. Arcade Fire etwa, wobei der große Name aber nicht verhindern kann, dass das von Régine Chassagne gesungene "Abraham's daughter" nur knapp an der Bedeutungslosigkeit vorbeisegelt. Oder The Decemberists, die sich für ihre Platten zuweilen ähnlich verdrehte Geschichten einfallen lassen und deren galoppiender Uptempo-Folker "One engine" einen stürmischen Glanzpunkt setzt. Taylor Swift darf sogar zwei Mal ran - und hat neben Win Butler & Co. und The Civil Wars das Glück, zu nur drei von 16 Acts zu gehören, die wirklich im Kino zu hören sind, zumindest im Abspann.

Geschenkt, dass sich die Leadsingle "Safe & sound" als ziemlicher Schmachtbolzen erweist, auch wenn Swift gegen Ende noch einen ordentlichen Rocksong intonieren darf. "Tomorrow will be kinder" vom Country-Duo The Secret Sisters, Birdys Eigenkomposition "Just a game" und einige andere Beteiligte sparen nämlich ebensowenig mit einer Überdosis Kitsch und Gefühlsduselei. Besser machen es ausgerechnet die Formatradio-Weichspüler Maroon 5, denen zusammen mit ihrem musikalischen Schützling Rozzi Crane eine neblige, aber höchst spannungsgeladene Ballade gelingt. Tiefenschärfe statt Tränendrüse - es geht also auch anders. Erst recht bei Kanye Wests Kumpel Kid Cudi, dessen HipHop-Schleifer "The ruler and the killer" vor zornigen Gitarren strotzt und jede Menge gute schlechte Laune verbreitet.

Noch angepisster: Glen Hansard von The Swell Season, der im ruppigen Folksong "Take the heartland" wütend mit dem Fuß aufstampft und ungehobelt ins Mikro teufelt. Leidlich in Form sind immerhin Neko Case und The Low Anthem. Über die oben erwähnten Belanglosigkeiten muss man bei einem Spektakel dieser Größenordnung vermutlich einfach hinwegsehen, zumal "Die Tribute von Panem" lediglich der erste von drei geplanten Teilen ist. Am Ende steht eine größtenteils kurzweilige Zusammenstellung, die auf jeden Fall mehr hermacht als die Tatsache, dass die US-Klatschpresse die Darsteller der Hauptpersonen Peeta und Katniss bei gemeinsamen öffentlichen Auftritten inzwischen "Peeniss" getauft hat. Wenigstens bis das nächste Unwort des Jahres gesucht wird.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • The ruler and the killer (Kid Cudi)
  • One engine (The Decemberists)
  • Take the heartland (Glen Hansard)
  • Come away to the water (Maroon 5 feat. Rozzi Crane)

Tracklist

  1. Abraham's daughter (Arcade Fire)
  2. Tomorrow will be kinder (The Secret Sisters)
  3. Nothing to remember (Neko Case)
  4. Safe & sound (Taylor Swift feat. The Civil Wars)
  5. The ruler and the killer (Kid Cudi)
  6. Dark days (Punch Brothers)
  7. One engine (The Decemberists)
  8. Daughter's lament (The Carolina Chocolate Drops)
  9. Kingdom come (The Civil Wars)
  10. Take the heartland (Glen Hansard)
  11. Come away to the water (Maroon 5 feat. Rozzi Crane)
  12. Run daddy run (Miranda Lambert feat. Pistol Annies)
  13. Rules (Jayme Dee)
  14. Eyes open (Taylor Swift)
  15. Lover is childlike (The Low Anthem)
  16. Just a game (Birdy)

Gesamtspielzeit: 58:10 min.

Referenzen

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