Whirr - Pipe dreams

Whirr- Pipe dreams

Tee Pee / Ada
VÖ: 16.03.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Tagträumen im Feedback

Einfach aus dem Haus rennen, den Kopf voller Gedanken. Mit einem vagen Ziel im Kopf durch die Straßen hechten, dabei in sich hinein grübelnd über das gerade Erlebte. Der plötzliche Stop an einer roten Ampel und die Erkenntnis, dass man sich an einem Ort wiederfindet, von dem man nicht weiß, wie man dorthin gelangt ist. Während der hektische Großstadtverkehr vorbeizieht und wie von weiter Ferne Gesprächsfetzen am Ohr vorbeiwehen, dreht sich die Welt um einen herum, ohne einen selber mitzunehmen.

Einem solchen Gefühl, den Bezug zur Außenwelt etwas verloren zu haben, gibt "Pipe dreams" der kalifornischen Band Whirr eine musikalische Begleitung. Verwirrend genug startet das Album eh gleich im Rückwärtsgang: "Reverse" läutet es wie ein unangenehmes langsames Erwachen nach langem Schlaf ein und klingt doch schon wie das Ende des Albums. Zum Glück sind in "Junebouvier" dann genug Schwung und Feedback vorhanden, nur die nötige Klarheit bleibt aus. So ist der meist weibliche Gesang durchgängig mehr Hintergrundchor als Lead Vocals. Oft genug ist da weder Platz noch Bedarf für Gesang, wenn man sich etwa in "Bogus" unversehens vom Lärm in die Stille geschubst fühlt.

Wobei Whirr versuchen, Ruhepole mit unterschiedlichen Mitteln zu erreichen: "Flashback" schlägt etwa einen fast entspannten Bogen zwischen Shoegaze und epischen Noiserock à la Mogwai, während "Formulas and frequencies" mit einer verstimmten akustischen Gitarre, wenigen Klavieranschlägen und hingehuschtem Gesang auskommt. Aber allem Dreampop-Anklängen zum Trotz ist "Pipe dreams" kein Album für kuschelige Winterabende, auf jedes Innehalten und Verlorenfühlen folgt zwangsläufig ein weiteres, mal mehr, mal weniger heftiges Shoegaze-Feedback. Ab und an hört man auch mal positive Momente aufblitzen, aber diese sind meist von kurzer Dauer. Vielleicht hatten Whirr mal den Gedanken, einem solchen Sonnenstrahl zu folgen, um zum utopischen Ziel zu gelangen, aber der Weg ist ja interessant genug, um sich auf ihm zu verlieren.

(Holger Schauer)

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Highlights

  • Bogus
  • Flashback
  • Toss
  • Reverie

Tracklist

  1. Reverse
  2. Junebouvier
  3. Bogus
  4. Flashback
  5. Formulas and frequencies
  6. Home is where my heart is
  7. Toss
  8. Hide
  9. Wait
  10. Reverie

Gesamtspielzeit: 37:06 min.

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