Tove Styrke - Tove Styrke

Tove Styrke- Tove Styrke

Epic / Sony
VÖ: 23.03.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Weiche Schale

Schweden. Schon wieder. Manchmal möchte man glauben, irgendwo in diesem Land gäbe es einen geheimen Keller, in den grimmige, Zigarre rauchende Labelbosse hübsche Frauen lotsen, um sie in Popstars zu verwandeln. Ganz so geheimnisvoll ist es wahrscheinlich nicht, auch im europäischen Pop-Mekka gibt es Castingshows, und die funktionieren ganz ähnlich wie ihre Pendants hierzulande. Nachdem Tove Anna Linnéa Östman Styrke 2009 bei Swedish Idol Dritte wurde, nahm Sony die damals gerade einmal 15-Jährige unter Vertrag - um sie in der Industrie zu verheizen, wie es mit Castingstars üblich ist, mögen böse Zungen behaupten. Darüber, ob auf den Hype der tiefe Fall folgen wird, lässt sich momentan nur vage spekulieren. Fest steht, dass die Casting-Maschinerie immer auch eine geballte Ladung Professionalität zu verschießen versucht - hier etwa in Person von Adam Olenius (Shout Out Louds) und Lykke Li (ja ja, auch Schwedin), die sich auf "Tove Styrke" als Songwriter betätigt haben.

An der ersten Version ihres Debüts haben Styrke und ihre Hintermänner noch einmal kräftig herumgeschraubt, bevor es jetzt erst in Deutschland erscheint. Neue Titelreihenfolge, ein paar Songs wurden gänzlich ersetzt. Musikalisch bewegt sich die Platte irgendwo zwischen Electropop, Dance und Großraumdisko - immer wieder werden Vergleiche zu Robyn gezogen. Zu Anfang soll der Hörer aber erst mal verschreckt werden: "Call my name" ist ein denkbar schlechter Opener für eine Platte, die den Platz im heimischen CD-Player nicht gleich wieder abzugeben gedenkt. Eine der David-Guetta-inspirierten R'n'B-Schlagersängerinnen, die derzeit die Mainstream-Diskotheken beherrschen, könnte diesen Bumm-Tschack-Track genauso gut veröffentlichen, ohne dass es auffallen würde. Wer sich vom ersten Schock erholt hat, kann im Folgenden glücklicherweise noch ein paar bessere Beispiele für intelligentes Songwriting entdecken, insgesamt fehlt "Tove Styrke" aber das besondere, individuelle Etwas. Zu vieles ist austauschbar, was unter der Oberfläche steckt, lässt sich nur erahnen. Die Schwedin traut sich nichts, was ihre Musik dem Mainstream entziehen könnte.

Zwischendurch finden sich in diesem quirligen Bubblegum-Pop dann aber doch schöne Momente. In "Beating on a better drum" stellt Styrke ihre innere Diva zurück und setzt dem dicken Beat einen angenehm ruhigen, fast schon flüsternden Gesangspart entgegen. "Sticks and stones" ist ein ziemlich perfekter Popsong, dessen Beat angenehm leicht umhertanzt, und auch "Stalker in your speaker", mit catchy Hook und eindeutigen Robyn-Bezügen, kann durchaus unterhalten, wenn man nicht zu sehr nach Tiefsinn sucht. Zum Schluss versucht "Chaos" selbigem in Richtung Weltall zu entfliehen und macht die Ausrutscher und Belanglosigkeiten fast wieder vergessen. Insgesamt sind die ruhigeren Nummern die eingängigsten. Etwas weniger gezwungene Tanzbarkeit und allgemein kleineres Verlangen nach Konsenshits hätten der Platte gutgetan. Allerdings zeigt sich zumindest ein guter Wille. Und der ist doch schon ein Anfang.

(Konrad Spremberg)

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Highlights

  • Beating on a better drum
  • Sticks and stones
  • Stalker in your speaker

Tracklist

  1. Call my name
  2. Beating on a better drum
  3. Million pieces
  4. High and low
  5. White light moment
  6. Sticks and stones
  7. Bad time for a good time
  8. Close enough
  9. Love you and leave you
  10. Stalker in your speaker
  11. Chaos

Gesamtspielzeit: 40:31 min.

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