Michelle Branch - The spirit room

Michelle Branch- The spirit room

Maverick / Warner
VÖ: 25.03.2002

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Born to make you happy

Merkwürdige Dinge geschehen in der Welt des Pops. Robbie Williams, bisher eher trink- denn bibelfest, läßt sich via Internet zum Priester weihen und gibt zwei Tage später den Zeremonienmeister bei der Hochzeit eines befreundeten Pärchens. Michael Jackson beweist, daß er zumindest in punkto Sonderbarkeit weiterhin problemlos mit Robbie mithalten kann, indem er verkündet, ins Weltall fliegen zu wollen und zur Vorbereitung auf die Mission bereits einen Trainer engagiert habe. Und dann wären da ja auch noch Britney und Justin, die sich in der letzten Woche - so man denn den Boulevardzeitungen dieser Welt glauben schenken mag - ungefähr 23 mal getrennt, wieder versöhnt und dann doch wieder getrennt haben.

Im Angesicht solch bedeutungsschwangerer Neuigkeiten mag es dem ein oder anderen eher unwichtig erscheinen, doch nüchtern und mit einem Schuß Gerechtigkeitssinn betrachtet sollte die wahre Sensation der letzten Wochen keine dieser Meldungen, sondern eine junge Frau namens Michelle Branch sein. Gerade mal süße 18 und optisch eine Art brünette Britney minus Nasen-OP minus Busen-OP, ist sie unlängst mit ihrer Debütsingle "Everywhere" in die deutschen Single-Charts eingestiegen und hat sich zu einem der Lieblinge der Programmdirektoren aller erdenklichen TV- und Radiosender gemausert.

Na spitze, noch eine Spears? Von wegen. Wer diesem Glauben verfallen ist, ist ähnlich schief gewickelt wie der breite Nietengürtel, der Michell Branchs Jeans auf dem Cover von "The spirit room" an der richtigen Stelle hält. Miss Branch sieht nämlich nicht nur so gut aus, daß gestandene Männer bei ihrem Anblick den Ehering aufgeregt in der Hosentasche verschwinden lassen. Man kann sich gar als Fan ihrer Musik bekennen, ohne daß man sich dafür schämen müßte. Das bereits erwähnte "Everywhere" ist beispielsweise Pop in seiner unwiderstehlichsten Form mit einem Refrain, den selbst das bestgeölte Q-Tip nicht mehr aus dem Ohr herausbekommt, und "Drop in the ocean" schlägt fürs Radio fast schon zu viele Haken, bevor es letztlich in gar leicht trip-hoppigen Gewässern auf Grund läuft.

Wer so jung ist und trotzdem alles vom Songwriting bis zu den Keyboards selbst übernimmt, dem kann und muß nicht alles gelingen. Im Falle von "The spirit room" sind es vor allem die naiv kitschigen Texte, die übel aufstoßen, während die ein oder andere Nummer sich doch etwas zu sehr am "Tut-nicht-und-gerade-deswegen-doch-wieder-weh"-Pop der Corrs orientiert. Und dennoch, wer in ein paar Jahren die neuste Ausgabe der Bravo aufschlägt, sollte sich nicht wundern, neben Schlagzeilen wie "Robbie zum Kardinal ernannt" oder "Jacko singt bei Möbelhauseröffnung" einen Starschnitt von Michelle Branch zu finden.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Everywhere
  • Drop in the ocean

Tracklist

  1. Everywhere
  2. You get me
  3. All you wanted
  4. You set me free
  5. Something to sleep to
  6. Here with me
  7. Sweet misery
  8. If only she knew
  9. I'd rather be in love
  10. Goodbye to you
  11. Drop in the ocean

Gesamtspielzeit: 42:25 min.

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