Imperial State Electric - Pop war

Imperial State Electric- Pop war

Psychout / Sound Pollution / Rough Trade
VÖ: 16.03.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Mann o Mann

Bis weit in die Platte hinein können Musikfans zu "Pop war" ihre Eieruhr auf "weichgekocht" stellen. Gute neun Mal hat Nicke "Hellacopter" Andersson bis dahin bis höchstens 280 durchgezählt, seine Mitmusiker durch die schnörkellosesten Rocksongs seit den Stooges gescheucht und dabei weder eine Pipipause eingelegt noch ist er auch nur einen Zentimeter von seiner Geradeaus-Marschroute abgerückt. Dann, plötzlich, wie aus fast dem Nichts: eine zweieinhalbminütige Abfahrt mit Streicherklimbim, den Nicke Andersson und seine Band Imperial State Electric an einen ihrer stärkeren Maximalst-Dreiminüter stöpseln wie einen USB-Stick an einen MP3-Player. Und plötzlich werden die Eier hart.

Mit Eiern kennt sich Andersson aus: Seit über zwanzig Jahren hat der Schwede breitbeinig auf der Bühne gestanden, die lange Matte plus Mütze zu seinem Markenzeichen gemacht und dabei vor allem Männermusik gespielt. In diesem Jahr wird er 40 werden, hat den Boden für die New Wave Of Swedish Death Metal der 90er bereitet, die Hellacopters überlebt und ist in den Kanon schwedischer Rock-Geschichte eingegangen. Kein Naturwunder also, dass "Pop war" über weite Strecken wie routiniert von der Leber gespielt statt hart erarbeitet klingt - zackig gespielte Riffs aller Couleur sind Anderssons Leben, sein Brot und seine Leidenschaft.

Noch nie hatte Andersson jene Riffs so straight gezockt wie hier: Losgelöst von der Erwartungshaltung der Fans seiner Ex-Band Hellacopters vermischt Andersson Protopunk, Powerpop und ein paar Blues-Einsprengsel. Er schaltet im moderat temperierten "Waltz for Vincent" ein relaxtes Klavier dazwischen, entwirft in "Sheltered sands" Hooks, die fast zu süß sind, um von ihm zu sein, lässt in "Deride and conquer" einen Background-Chor bestehend aus mindestens ebenbürtig gestandenen Mannsbildern "Ooohh" und "Aaah" singen wie den schnöden Popsong, gegen den er ein Leben lang angerifft hat und bringt damit unseren Autoren Jochen Gedwien zum Weinen. Zugegeben: Nicht immer ist Andersson dabei so kultig wie sein Name - aber mit Eiern kennt sich der Mann aus. Auch wenn’s weiche sind.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Sheltered in the sand
  • Enough to break your heart

Tracklist

  1. Uh-huh
  2. Narrow line
  3. Can't seem to shake it off my mind
  4. Back on main
  5. Waltz vor Vincent
  6. Sheltered in the sand
  7. Empty hands
  8. Monarchy madness
  9. Deride and conquer
  10. Enough to break your heart

Gesamtspielzeit: 31:51 min.

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