City - Für immer jung

City- Für immer jung

Ariola / Sony
VÖ: 24.02.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Jung, komm bald wieder

Früher war alles besser, und im Osten war auch nicht alles schlecht. Das ist die recht banale Schlussfolgerung aus der großen Ostalgie-Welle, die Deutschland vor ein paar Jahren erwischte, mittlerweile - und das trifft hoffentlich auch noch zu, wenn dieser Satz im Jahr 2020 zum 20. Plattentests-Geburtstag gelesen wird - aber wieder verebbt ist. City können glücklich sein, dass ihr 40. Bühnenjubiläum nicht in diese Zeit fiel. Es wäre schade und ungerecht, diese Band nur auf ihre Wurzeln in der DDR zu reduzieren. Natürlich darf die Band das Label "Ostrock" gerne mit Stolz vor sich hertragen, aber man darf ihr Geburtstagsalbum "Für immer jung" auch als Wessi mit herzlich wenigen eigenen Erinnerungen an den Mauerfall gut finden.

Denn City spielen variablen, ideenreichen Poprock, der nur in den seltenen schnulzigen Momenten das Präfix "Altherren" verdient. Die meisten der 12 Songs haben eine ganz eigene Färbung, von formelhaften Wiederholungen ist die Band weit entfernt. Hinzu kommt, dass die allermeisten Texte nicht nur vollkommen unpeinlich, sondern auch lyrisch ansprechend und auf sehr elegante Weise sozial engagiert sind. Der Titelsong ist eine von Bläsern getriebene Gute-Laune-Hymne mit Hitpotenzial und leicht ironischen Rückblicken auf die eigene Karriere: "Ich war nie in Casablanca und am Fenster steh' ich nie / Das sind Bilder, die ich in mir trage und ihr füllt sie mit Fantasie."

Ganz wunderbar ist auch das melancholische "Es ist immer noch Sommer", dessen luftige Leadgitarre und trotziger Text einen schönen Kontrast zur ruhigen Grundstimmung bilden. Sogar die morbide Schunkel-Polka des Iggy-Pop-Covers "Quicklebendig (In the death car)" und einige der die unvermeidlichen Liebeslieder funktionieren, ohne in den Kitsch abzudriften, weil Sänger Toni Krahl seine unaufgeregten Texte nicht mit abgeschmackten Metaphern anreichert und seine raspelige Stimme immer auch eine angenehme Hemdsärmeligkeit vermittelt.

Wenn ihm dann doch mal ein paar Klischees zu viel durchrutschen, dann sind City tatsächlich beim biederen Altherren-Rock angelangt, ja manchmal fischen sie sogar in Schlager-Gewässern. Aber Ausrutscher wie das schon titelmäßig zweifelhafte "Danke Engel" oder der belanglose Schmachtfetzen "Anker" ändern nichts an der hohen Trefferquote auf "Für immer jung". Der Albumtitel entbehrt übrigens angesichts der von Haaraufall und Falten geplagten Männer auf dem Cover auch nicht einer gewissen Ironie. Trotzdem: Wer für immer jung bleibt, ist vielleicht auch nicht unbedingt der Meinung, dass früher alles besser war. City zum Beispiel sind heute zumindest genauso gut.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Für immer jung
  • Es ist immer noch Sommer
  • Frei

Tracklist

  1. Für immer jung
  2. Danke Engel
  3. Zu spät
  4. Es ist immer noch Sommer
  5. Sind so kleine Hände
  6. Lieben und lieben lassen
  7. Frei
  8. Das Schöne am Leben
  9. Quicklebendig (In the death car)
  10. Anker
  11. Bis Morgen
  12. Die 20 Gebote

Gesamtspielzeit: 48:30 min.

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