Bruce Springsteen - Wrecking ball

Bruce Springsteen- Wrecking ball

Columbia / Sony
VÖ: 02.03.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Mildes Herz

Es gibt zwei Gänsehaut-Momente auf "Wrecking ball": das Saxophon im Titelsong und das im längst überfälligen "Land of hope and dreams". Clarence Clemons, The Big Man, bläst es. Das im vergangenen Jahr verstorbene Mitglied der E Street Band treibt ein letztes Mal seinen alten Freund an. Doch kann auch sein Spiel nicht verhindern, dass das siebzehnte Album von Bruce Springsteen nicht alle Hoffnungen erfüllt. Gefällige Rocksongs, die ein bisschen zu oft nach der Fiedel greifen und sehr luftdicht produziert sind. Angriffslustig ist Springsteen dennoch: Im sehr speziellen "Rocky ground" paart er Gospel-Chor mit Bläser-Orchester und Rap-Passage. Schade nur, dass das nicht besonders klingt. Sondern unbedeutend.

Es geht um Sittenverfall, Werteverlust und die marode Finanzwelt. "Wrecking ball" erzählt von einem Amerika, das von korrumpierten Finanzjongleuren und feisten Unternehmern regiert wird. Der Arbeiter, der auch am Samstag mit Schraubenschlüssel und Latzhose in der Werkstatt steht, hat bei diesem globalen und undurchsichtigen Spiel verloren. Arbeitslos und unmündig, seiner Freiheit beraubt, so steht er da, im "land of the free". So oder so ähnlich hat das Springsteen schon oft erzählt. Doch nie mehr wieder so scharfzüngig wie in "Darkness on the edge of town". Auch "Wrecking ball" ist da keine Ausnahme.

Wenn im keltisch angehauchten "Shackled and drawn" Springsteen "Freedom son's a dirty shirt" erklärt und "Workingman pays the bill", dann wirkt das etwas pathetisch und nicht so recht überzeugend. Es sind Plattitüden die hier gedroschen werden und eine irritierende Sprachlosigkeit zum Ausdruck bringen. Die Posen im Booklet unterstreichen das: Springsteen hält seine Gitarre wie eine Waffe, mit der er zum Angriff bläst. Nur dass seine Musik alles andere ist als zornig. Da können auch die beiden Gastbeiträge von Tom Morello nicht dran rütteln.

Der herausragende Titelsong ist es dann, der das etwas ziellos umherirrende Album in die Spur bringt. "Born to run" kommt einem in den Sinn und vielleicht auch "Born in the U.S.A.". Kraftvoll, mit Glockenspiel und Klavier, strotzt der Song vor Spielfreude und Wucht. Hier spielt Clemons eines seiner besagten großen Soli, und Springsteen ruft: "So raise up your glasses / And let me hear your voices call." Überzeugend ist das und lässt das Album "Wrecking ball" plötzlich nicht mehr so enttäuschend erscheinen.

Bis es zur Explosion im kolossalen "Land of hope and free" kommt, zieht noch die blutleere Gospel-Folk-Nummer "You've got it" ins Land und das zumindest trendbewusst angelegte "Rocky ground", das wie eine Melange aus R. Kelly und U2 klingt. Die scheinbare Wut und der vorgebliche Zorn auf die Unterdrückungs- und Verschleierungsmaschinerie, über den selbstverschuldeten Untergang der Wertemacht Amerikas, das nimmt man ihm diesmal nicht so recht ab. Die vielen Gospel-Einlagen lassen die Songs eher wie nostalgische Rückblicke, wie schnöden Historismus wirken. Is this heart still on fire?

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Wrecking ball
  • Land of hope and dreams

Tracklist

  1. We take care of our own
  2. Easy money
  3. Shackled and drawn
  4. Jack of all trades
  5. Death to my hometown
  6. This depression
  7. Wrecking ball
  8. You've got it
  9. Rocky ground
  10. Land of hope
  11. We are alive

Gesamtspielzeit: 62:34 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Oh Gott
2015-11-15 19:59:06 Uhr
Wer löscht hier schon wieder drei Jahre alte Beiträge?!
Hmm
2015-11-14 23:34:37 Uhr
Wieder einmal festgestellt: Das Album ist deutlich besser als sein Ruf.
churro
2012-03-19 18:33:47 Uhr
5/10 gehn mal gar nicht! nach mehrmaligem hören muss ich sagen: das album hat eine tolle stimmung. und selbst das arg poppige "we take care of our own" gefällt mir immer besser.

zur rezi: die glaubwürdigkeit von texten sollte man nicht als kriterium nehmen, anhand dessen man musik bewertet. oder hat der rezensent dem herrn springsteen den schädel aufgesägt und gesehen: ah, der meint das alle gar nicht so...?
Tama
2012-03-09 10:10:27 Uhr
ich mag das album. sicher nicht sein bestes, aber insgesamt einfach eine sympathische platte. eine 7/10 ist auf jeden fall drin.
Muskelklaus
2012-03-08 01:03:36 Uhr
Ganz guter Bizepsrock, muss man schon sagen. Seine beste Tage hat er aber leider schon hinter sich. Bleibt trotzdem einer der besten Gewichteheber da draußen. Gebe 7 von 10.
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