The Stranglers - Giants

The Stranglers- Giants

Ear / Edel
VÖ: 09.03.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Altersleise

Jet Black hat Diabetes, Hugh Cornwell ist schon seit 1990 nicht mehr dabei und auf der To-do-Liste der Stranglers steht resolut: 17. Album! Große Tournee! Wir können noch! Nach 38-jähriger Bandgeschichte, 23 Top-40-Singles und diversen Welttourneen, ist man dem Setzen von Häkchen nicht müde geworden. Womöglich ist dies aber auch eine verfehlte Interpretation - hört man "Giants", wird schnell klar, dass sich die Motivation aus anderer Quelle speist. Einer, die sich unüberhörbar durch jenes Album zieht, das man mit gutem Gewissen als Spätwerk bezeichnen darf und dadurch umso beachtlicher wird. Der Name: Spielfreude.

Denn an ihr erfreuen sich die Stranglers noch immer, ganz gleich, ob ein Gros der Mitglieder das Renteneintrittsalter schon längst passiert hat. Andere Gründe könnte es auch kaum geben - beweisen müssen sich die Briten nichts mehr. Man stand im Ring mit den Ramones oder The Clash, hat mit "Golden brown" einen Mixtape-Klassiker geschaffen und ist im historischen Genreverzeichnis in nicht nur einem Artikel vertreten. Das Abarbeiten von Listen überlassen die Stranglers lieber den Jungspunden, im Jahr 2012 sind sie längst abgeklärt. "I don't want to be mutton dressed as lamb / I want to reflect the world that I live in / And if people dig it, then great / And if they don't, no problem", bringt es Jean-Jacques Burnel wunderbar auf den Punkt.

Und weil das so ist, warum nicht gleich mit etwas starten, das es in der The-Stranglers-Geschichte seit über zwei Dekaden nicht mehr gegeben hat - einem Instrumental-Song! "Another camden afternoon" klingt in den ersten Sekunden dann auch gleich wie die frühen Siebziger, bis Burnels Bass aufbrummt. Recht gediegen und verspielt, der Klang glücklicher Opas. Nach vier Minuten haben sich The Stranglers eingespielt und holen im zweiten Song zum großen Schlag aus. Zumindest ließe sich das vermuten. Doch dann: Wellenrauschen. "Freedom is insane" beginnt mit einem sanften Strandsound, auf den Synthesizer folgen, die klingen wie süße Cocktails neben der Sandburg. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, ist "Freedom is insane" der beste Song auf "Giants", der natürlich an Fahrt aufnimmt, aber in erster Linie traurig und catchy ist. "Early morning my eyes gaze across the sea / No one has ever walked here except you and me / I didn't want to tell you about the other times / I didn't want you to leave across the sea", hach.

Ganz von Bitterkeit verschont wurden die Stranglers dennoch nicht. Immer mal wieder ein verliebter Blick in die Vergangenheit, gegen den die Gegenwart doch häufig abzuschmieren scheint. Besonders deutlich wird dies im Titel "Giants", in dem Burnel resümiert: "Once there were giants / Walking amount stairs / Now I have to deal with little men with little hearts." Diese Sicht sei ihnen natürlich gegönnt, Ausdruck der berühmten Altersüberheblichkeit, die manchem ihrer Hörer erst noch verliehen werden muss. Doch immerhin teilen The Stranglers ihre Lust am Spiel, und auch wenn alles nicht mehr ganz so schnell geht, Cornwells Stimme dann doch irgendwie fehlt und JJ Burnels stimmliche Qualitäten nicht wirklich mit seinen Bass-Fertigkeiten mithalten können - tritt ein solch warmes Crooning wie in "My fickle resolve" zu Tage, ist das Klassenziel doch schon längst erreicht.

(Carolin Weidner)

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Highlights

  • Freedom is insane
  • My fickle resolve

Tracklist

  1. Another camden afternoon
  2. Freedom is insane
  3. Giants
  4. Lowlands
  5. Boom boom
  6. My fickle resolve
  7. Time was once on my side
  8. Mercury rising
  9. Adios (Tango)
  10. 15 steps

Gesamtspielzeit: 42:45 min.

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