Lisa Hannigan - Passenger

Lisa Hannigan- Passenger

Hoop / PIAS / Rough Trade
VÖ: 24.02.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Mit 80 Lächeln um die Welt

Wir kennen sie alle. Okay, zumindest alle, die Damien Rice goutieren, ansatzweise mögen oder ihm zumindest auch nur eine Chance über mehrere Lieder gegeben haben. Denn die Irin Lisa Hannigan verdingte sich auf Rice' bisherigen beiden Studioalben "O" und "9" als betörende Hintergrundstimme, am eindringlichsten im erschütternd intensiven Song "9 crimes". 2007 folgte dann der Split zwischen Hannigan und Rice angesichts tiefgehender künstlerischer Differenzen, die dazu führten, dass - wenn man den Gerüchten Glauben schenken möchte - die beiden seitdem kein einziges Wort miteinander gewechselt haben. Fünf Jahre und ein Soloalbum später veröffentlicht Hannigan nun ihr zweites und besticht auch hier erneut durch einen zauberhaften Charme in Stimme und Komposition sowie durch eine faszinierende Natürlichkeit, aufgrund derer man gerne einmal ein Auge zudrückt bei den etwas leichteren Momenten.

Das in nur rund einer Woche in Wales aufgenommene "Passenger" ist etwas poppiger als Hannigans ebenso wunderbares Debüt "Sea sew" geraten. Den am größten aufgeplusterten Song holt Hannigan gleich zu Beginn aus jener Tüte, auf die sie laut Selbstauskunft auch gerne spontan ihre Songtexte schreibt. Die Folkballade "Home" schwebt auf Streichern, Klavier und Perkussion bis in den Himmel und wird größer und größer. Kurze Bedenken, dass Hannigan es etwas zu gut meinen könnte mit der Instrumentierung des Albums werden schnell weggewischt durch das anschließende "A sail", das wieder im gewohnt Kleinen operiert, aber den Weg weiter weg vom Folk wagt, als bisher üblich. Auch mit ihrer ersten Single "Knots" traut sich Hannigan etwas, beginnt mit einer einsamen Ukulele und explodiert irgendwann in einem Gewitter aus Violine, Southern-Stomp-Percussion und einem dazu passenden, wilden Video.

Klar, dass diese zauberhafte Lebensfreude, die sich in jeden Winkel von Hannigans Lächeln geschlichen hat, nicht mehr mit Damien Rice zu vereinbaren war. Hannigans Welt ist mittlerweile eben etwas farbenfroher geworden, und die Irin strahlt dies auch 1:1 aus. Hannigan und ihre Musik sind nicht auseinanderzudividieren. Man stelle sich nur einmal Rice zu einem fröhlichen Uptempo-Song wie "What'll I do" vor, samt Clip, in dem Hannigan buntbemützt und voller Euphorie Achterbahn fährt. Geht nicht? Geht nicht. Natürlich gibt es sie auch, diese Trübsal blasenden Songs, vor allem in der zweiten Hälfte von "Passenger". Neben dem berührenden Duett mit Ray LaMontagne "O sleep" oder "Nowhere to go" ist dies insbesondere "Little bird". Das dazu passende Nahtod-Video lieferte Hannigan bereits aus.

Die Songs für "Passenger", das selbst in diesen traurigsten, abgründigsten Momenten ein Schleier der Zuversicht umgibt, schrieb Hannigan, während sie mit ihrem Debüt um die Welt tourte. Dieses zweite Studioalbum ist dementsprechend im weitesten Sinne eine Platte übers Reisen und seiner Auswirkungen auf Liebe, Familie und Natur geworden. Der Titeltrack erzählt einen Teil der Geschichte ihres Trips durch die USA von Chicago über Phoenix bis Minneapolis, untermalt von Violine, Bläser und Ukulele. Zu Hause in Irland ist es aber eben doch am schönsten, "Nowhere to go". "Passenger" wird nicht die Musik umkrempeln oder die Welt verändern. Aber es macht beides um einiges lebens- und liebenswerter.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • A sail
  • O sleep (feat. Ray LaMontagne)
  • Little bird

Tracklist

  1. Home
  2. A sail
  3. Knots
  4. What'll I do
  5. O sleep (feat. Ray LaMontagne)
  6. Paper house
  7. Little bird
  8. Passenger
  9. Safe travels (don't die)
  10. Nowhere to go

Gesamtspielzeit: 38:36 min.

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