Exit Ten - Give me infinity

Exit Ten- Give me infinity

Deep Burn / Soulfood
VÖ: 02.03.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Eindruck, die zweite

Der Kitsch trieft von allen Saiten des Oberton-Intros von "The cursed" genau wie von den Klaviertasten am Ende des immerhin adäquat betitelten "Drama". Exit Ten machen es dem Hörer leicht, sie nicht zu mögen. Für eine Post-Hardcore-Band sind sie ein bisschen zu glatt und überproduziert, als Alternative zu Biffy Clyro haben sie einfach nicht das Stadionformat, und als Poprock-Snack zwischendurch disqualifiziert sich "Give me infinity" aufgrund seiner Länge. Die Ausgangssituation könnte zweifellos besser sein.

Bei genauerem Hinhören stellt sich allerdings heraus, dass Exit Tens größtes Problem eigentlich keines ist. Die Band setzt sich - nachdem sie in der Vergangenheit schon einige mehr oder weniger bequeme ausprobiert hat - einfach in die Mitte zwischen diverse Stühle. Der mit der Aufschrift Post-Hardcore ist sicherlich nicht weit, zudem stehen in der Nachbarschaft ein nicht näher benannter Metal-Thron, die bequemen Sessel der Popmusik und einige kunstvoll verzierte Prog-Modelle herum. Und unter dem plüschigen Kitsch einer zugegebenermaßen arg glatten Produktion setzen Exit Ten all das zu einem angenehm harten und überraschend komplexen Rockalbum zusammen.

Gleich im Opener fallen neben der zuckersüßen Refrainmelodie die Metal-affinen Akkordprogressionen auf. Exit Ten kennen nicht nur laut und leise, sondern spielen in dem Song mit einer Reihe sehr dynamischer Momenten, die vor allem im hinteren Teil ineinandergreifen wie bei einer Prog-Platte. Und das alles, ohne auch nur einen Moment so richtig Metal zu sein. Das Schöne an dieser Herangehensweise ist, dass selbst Zuckerberge wie das sechseinhalbminütige "Drama" einmal abgesehen von der überflüssigen Piano-Coda wesentlich mehr als nur überdrehter Power-Emo sind. In den besten Momenten von "Suggest a path" verpassen die Streicher den Songs gar noch das gewisse bisschen Extradruck.

Fast jedes der elf Stücke auf "Give me infinity" hat zudem ab Halbzeit noch wesentlich mehr zu bieten als Solo, Bridge und Warten auf das Ende. Man mag der Band durchaus vorhalten, dass sie vor lauter Pathos manchmal nur mit Verzögerung in die Puschen kommt. Aber die schleppenden Anfänge von "Mountain", "Lion" oder "How will we tire" werden durch die komplexen, cleveren und fast ausnahmslos großartigen zweiten Hälften mehr als wettgemacht. Der erste Eindruck täuscht zum Glück manchmal doch.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Life
  • Curtain call
  • Lion

Tracklist

  1. Life
  2. Curtain call
  3. Suggest a path
  4. Eyes never lie
  5. How will we tire
  6. Drama
  7. The cursed
  8. Sunset
  9. Smoke
  10. Mountain
  11. Lion

Gesamtspielzeit: 52:20 min.

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