Cloud Nothings - Attack on memory

Cloud Nothings- Attack on memory

Wichita / PIAS / Rough Trade
VÖ: 10.02.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gibt's was Noise?

Irgendetwas muss passiert sein im Leben des jungen Springinsfeld Dylan Baldi. Vor gar nicht allzu langer Zeit spielte er mit seinen Cloud Nothings noch unbekümmerten, leichtsinnigen Gitarrenpop, der gänzlich ungefährlich daher trottete. Doch urplötzlich hatte er wohl keinen Bock mehr aufs Niedlichsein: Die Naivität wurde abgefackelt, seine Band muckt plötzlich auf und versucht sich mit "Attack on memory" an der waghalsigen Kreuzung von Post-Hardcore neuer Prägung, grungy Noise-Rock und Strokes-Gitarren aus der Vorhölle. Eine Wandlung, mit der so unvermittelt nicht zu rechnen war. Hinter den Reglern stand Noise-Maestro Steve Albini - vielleicht liefert das ja einen Anhaltspunkt. Denn alles was der Grandseigneur anpackt, wird bekanntlich zu krachigem Gold. So auch das vorliegende Album.

Nach zwei etwas handzahmen Veröffentlichungen treten Cloud Nothings nun also Türen ein, spucken in anderer Leute Bier und waschen sich die Haare nur noch alle drei Tage. "Attack on memory" klingt wie das Resultat eines Initiationsrituals, nach einer Band, die vielleicht nicht unbedingt erwachsen geworden ist, dafür aber direkter. Der Sound erinnert in manchen Momenten an gehypte Hardcore-Bands wie La Dispute oder Touché Amoré, in anderen Augenblicken an Nirvana oder Foo Fighters, wobei Baldi und Co. natürlich weitaus poppiger sind. Wäre Noise-Pop nicht ein so seltsames Label, es würde den schlingernden Klang der "neuen" Cloud Nothings ganz gut auf den Punkt bringen. Eine unzufriedene Platte ist "Attack on memory", eine mit der Extraportion teenage angst, ein Brückenschlag zwischen den Jahrzehnten. Wer das Beste der 90er-, 00er- und 10er-Jahre auf einer LP vereint haben möchte, wird um dieses Album kaum umher kommen.

Bereits im Opener "No future / No past" schreit sich Baldi die Stimmbänder heiser - die Marschrichtung wird überdeutlich: "Attack on memory" ist aggressiv, ohne jedoch ins Schemahafte, ins allzu Vorhersehbare zu kippen. Die Ausbrüche kommen ohne Ansage und treffen dadurch umso zielsicherer. "Wasted days" sticht auf Grund der stattlichen und punkrockuntypischen Spielzeit von knapp neun Minuten heraus, zeigt aber vor allem, dass Cloud Nothings auch prima Spannung aufbauen können. Mit dem fantastischen Indiepop-Doppel "Fall in" und "Stay useless" verabschieden sich die Burschen versöhnlich in die Halbzeitpause. So könnten The Strokes klingen, hätten sie ihre Seelen an Satan, Ned Flanders oder den Erfinder von Guitar Hero verscherbelt.

Mit dem schnittigen Instrumental "Separation" stellt das Quartett klar, dass sie auch ohne Gesang wunderbar auskommen. Über den Hörer bricht im Mittelteil ein herrliches Chaos ein, wobei es nie unübersichtlich wird. Richtiggehend kratzbürstig schält sich hingegen das Album-Highlight "No sentiment" aus dem Frischlings-Kokon: Wieder darf Baldi brüllen bis die Stimme bröckelt, die Gitarren schwurbeln wie gewohnt durchs gräuliche Bild. Ohne eine Ahnung davon zu haben, wie es zu dieser plötzlichen Transformation kam, wird man als Hörer mit dem rotzigen "Cut you" entlassen. Was auch immer diese Jungs inhaliert haben, es sollte künftig in rauen Mengen und von einer größeren Anzahl aufkeimender Gitarrenbands konsumiert werden. Wenn dadurch Alben wie "Attack on memory" enstehen, kann es der Sache nur dienlich sein.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Fall in
  • Stay useless
  • No sentiment

Tracklist

  1. No future / No past
  2. Wasted days
  3. Fall in
  4. Stay useless
  5. Separation
  6. No sentiment
  7. Our plans
  8. Cut you

Gesamtspielzeit: 33:47 min.

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