The Stewardesses - Pussy Empire hebt ab

The Stewardesses- Pussy Empire hebt ab

Pussy Empire / Hoanzl
VÖ: 17.02.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Turbulenzen

Bushido singt im Duett mit Karel Gott. Gunter Gabriel covert Radiohead. Man sollte meinen, dass der Gipfel der Absurdität damit langsam erreicht wäre - gäbe es da nicht dieses Album von The Stewardesses. Songs von Tokio Hotel und Element Of Crime auf einer CD vereint. Ah ja. Unter dem Titel "Pussy Empire hebt ab". Warum laden die nicht gleich den Papst zu Silvio Berlusconis nächster Bunga-Bunga-Party ein?

Um Missverständnissen vorzubeugen: "Pussy Empire" ist kein Porno-Produzent, sondern ein Label, das seit zehn Jahren deutschsprachige Musikerinnen unter seine Fittiche nimmt. Die haben zum Geburtstag eine gelinde gesagt bunte Sammlung deutschen Liedguts gecovert - getarnt unter dem gemeinsamen Decknamen "The Stewardesses", aber eben nicht als Band, sondern hübsch der Reihe nach. Zum obersten Prinzip haben die Flugbegleiterinnen den Kontrast erhoben: Rammstein finden sich in einem Weißbrotpop-Sandwich aus Ich + Ich und Juli wieder, auch sonst erinnert die Tracklist an ein Rezept, das Nutella mit Essiggurken kombiniert. Ob einem das nun schmeckt oder nicht, etwas ziemlich Einzigartiges scheint garantiert. Oder?

Jein. Zumindest die ganz große Anarchie bleibt erst einmal aus. Klar, wenn man nun eine Aversion gegen Herbert Grönemeyers röhrendes Brunft-Timbre hat, ist Katrianas schlichte Akustik-Version von "Mensch" keine unangenehme Alternative. Aber wenn man ehrlich ist: Ohne solch einen eigenen Stempel bleibt nicht so richtig viel Markantes von dem Lied übrig. Auch sonst beschränkt das Interpretieren sich oft auf Reduzieren - "Vom selben Stern" in der obligatorischen Klampf-Version für das Lagerfeuer,"Geile Zeit" mit semidepressiver Klavierbegleitung, "Weißes Papier" als zugegeben skurriler Ukulelen-Schrammler. Manchmal allerdings braucht es auch gar nicht viel: "Durch den Monsun" zum Beispiel muss im Original derart unerträglich gewesen sein, dass Catharina Boutari gar nicht viel tun muss, um positiv zu überraschen: Tatsächlich - ohne Emo-Arrangement und das kreischende Manga-Männchen Bill Kaulitz ist das einfach eine ganz hübsche Refrain-Melodie mit albernem Text. Gut möglich, dass es bei "Jetzt erst recht" eigentlich ähnlich aussähe. Dass seinerzeit ein Teenager-Virus namens LaFee als weibliches Äquivalent zu den Kaulitz-Brüdern grassierte, dürften die meisten Hörer allerdings längst verdrängt haben. So muss eben Google erklären, wer dieses pubertäre Tagebuch-Tralala im Original verbrochen hat.

Interessant wird es vor allem dort, wo die Verfremdung besonders stark ist. Wo Illute dem NDW-Souvenir "Major Tom" eine Akkordeon-Gehirnwäsche verpasst. Wo Birgit Fischer es mit glasklarer Stimme schafft, den genervten Hörer wieder mit dem totgedudelten "Allein, allein" zu versöhnen. Ausgerechnet bei "Amerika" wiederum kann Chantal De Freitas kaum anders, als das Original mit einem herrlichen irren Jazz-Klavier abzuschütteln. Wenn es überhaupt möglich ist, Rammstein zu covern, dann auf so abwegige Art. Aber seien wir jetzt lieber still. Sonst bringen wir Bushido noch auf dumme Gedanken.

(Jana Fischer)

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Highlights

  • Allein, allein (Birgit Fischer)
  • Major Tom (Illute)
  • Amerika (Chantal De Freitas)

Tracklist

  1. Mensch (Katriana)
  2. Türlich, türlich (Catharina Boutari)
  3. Allein, allein (Birgit Fischer)
  4. Is it cos I'm cool (Chantal De Freitas)
  5. Weißes Papier (Katriana)
  6. Major Tom (Illute)
  7. Vom selben Stern (Birgit Fischer)
  8. Amerika (Chantal De Freitas)
  9. Durch den Monsun (Catharina Boutari)
  10. Geile Zeit (Katriana)
  11. Sonne (Birgit Fischer)
  12. Jetzt erst recht (Chantal De Freitas)
  13. Jungen, Mädchen (Illute)

Gesamtspielzeit: 52:44 min.