Pontiak - Echo ono

Pontiak- Echo ono

Thrill Jockey / Rough Trade
VÖ: 17.02.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Leid: Geprüft

Ob nun Stoner-Riffs, Postrock-Mäandern, ein wenig dicke Backen schräg links von Drone oder auch Folk-Rock-Ent- und Punk-Rock-Anspannung: Pontiak waren nie eine Band des schnellen Zugriffs. Vielmehr reihten die drei Carney-Brüder ihre musikalischen Trademarks so lange stoisch aneinander, bis sie zu einem sehr speziellen Soundkosmos erstarrten - weshalb einem die jeweiligen Platten bei aller Begeisterung fast schon ein wenig Leid tun konnten. Auf "Echo ono", ihrem achten Album zum achtjährigen Bandbestehen, ist nun erstmals alles viel eindeutiger. Mittelprächtiges Urteil leider inklusive.

Ein lupenreines Blues-Rock-Riff eröffnet "Echo ono", wird gleich zur ersten Strophe aber rausgedreht, um den Bass ordentlich knarzen und das Schlagzeug aus der Unterproduktion ploppen zu lassen. Schön soweit, doch spätestens, wenn sich im Refrain wieder die Sechssaiter öffnen, wird klar, dass Pontiak hier einen unverblümten Grunge-Boliden übers Parkett schicken. Und gleich die folgenden "The north coast" und "Left with light" werfen zwar ein wenig mehr Schlamm ins musikalische Rund, so wirklichen Nicht-90er-Rock'n'Roll entfesseln sie dadurch aber auch nicht. Gut, das war früher auch schon immer mal so: Keineswegs derart multiphren wie etwa Cave In unterwegs, gaben Pontiak ihrem Affen bisher aber dennoch Zucker genug, um die Staubrock-Formeln ordentlich durchzuwirbeln.

Auf "Echo ono" ist hingegen "Across the steppe" eines der besten Stücke - mit zuckendem Kopfnicken in der Strophe, einem gerade in seiner zurückhaltenden Produktion bestens aufgehenden Beat und ein paar Bendings nach Art von The Jesus Lizard. Das ist zwar immer noch nicht besonders aufregend, allerdings ein höchst willkommenes Statement in Schlaumeier-Rock. Zumal gleich darauf das Folk-Viertel des Albums beginnt. Auf "The expanding sky" und "Stay out, what a sight" picken und sliden Pontiak durch die Akkorde, humpel-di-schunkeln über die Drums und leiern ihre Stimmen wunderbar verstimmt in die Höhe. "Silver shadow" hingegen brummt sich irgendwann in die Verstärker hinein und desertiert schließlich mit Synthieflächen in einen düster ausklingen Hallraum. Allerdings machen Pontiak auch hier jeweils Schluss mit ihren Songs, bevor ihre Entwicklung wirklich zu Ende gebracht ist. Weiß der Teufel, warum - jedenfalls wird Aufhören so keinesfalls das neue Unterhöhlen.

Da Pontiak das alles vielleicht selbst ein wenig komisch vorkommt, komprimieren sie schließlich "Royal colors" zu einem fein vertieften Space-Rocker und schieben mit "Panoptica" noch gute 6 Minuten Noise-Improvisation hinterher. Doch auch da klopft und pocht es letztlich viel zu uninspiriert, als dass der Song zu einem viel zu späten Hallowach werden könnte. So taugt auf "Echo ono" durchaus einiges zum Zungeschnalzen, seltener aber zu einem wirklich herausragenden Moment. Oder gar zum Beweis, dass Pontiak beim Aufbohren ihrer Widersprüche tatsächlich auf Konsistenz und Entschlossenheit gestoßen wären. Stattdessen haben sie einiges wegmusiziert, was bisher den Mehrwert ihrer Platten ausmachte. Leid tun sie hier erstmals leider nur sich selbst an. Lei-di-dei-di-dei.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Across the steppe
  • Royal colors

Tracklist

  1. Lions of least
  2. The north coast
  3. Left with lights
  4. Across the steppe
  5. The expanding sky
  6. Silver shadow
  7. Stay out, what a sight
  8. Royal colors
  9. Panoptica

Gesamtspielzeit: 33:14 min.

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