Fanfarlo - Rooms filled with light

Fanfarlo- Rooms filled with light

Atlantic / Warner
VÖ: 24.02.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Säcke vor den Türen

Brr. War da eben gerade wirklich ein kalter Windhauch? Oder war das wieder nur die Indie-Polizei, die einen ehemaligen Liebling für untauglich befunden hat? Eben gerade fand man Fanfarlo und ihr Debütalbum "Reservoir" noch klasse, weil sie alles, was schon längst da war, so gut machten und teilweise sogar noch etwas schöner. Anschließend kündigt die Band um Sänger Simon Balthazar den Nachfolger an, erste gewollt skeptische Töne werden laut, und als dann im Vorfeld die Worte "Synths" und "Sampler" fallen, weiß der gemeine Musikexperte, dass hier Teufelswerk zugange ist. Als dann auch noch Ben Allen als Produzent genannt wird, der zwar mal mit Gnarls Barkley, aber eben auch mit, iiiiih, Christina Aguilera gearbeitet hat, ist es endgültig vorbei. Was soll man dazu noch sagen? Vielleicht hilft es, sich "Rooms filled with light" einfach anzuhören.

Zugegeben, die Messlatte lag nach "Reservoir" etwas weiter oben als nur knapp über dem Türrahmen. Dennoch schaffen es Fanfarlo, ein vielleicht nicht gleichwertiges, aber dennoch starkes zweites Album abzuliefern. Die erste Single und Opener "Replicate" darf man da kaum als Vergleichsobjekt heranziehen. Glattproduziert und als erster Geschmacksanreiz mit voller Absicht überspitzt, wirkt der Einsatz der überhektischen Streicher fast etwas plump. Auf die große Überraschung muss der Hörer noch warten. Effekt- und gehaltvoller klingt da die Popnummer "Shiny things", deren hymnisches Ende an "Ghosts" oder auch "The walls are coming down" vom Vorgänger erinnet. Und wie man schließlich auch die Streicher von Cathy Lucas richtig einsetzt, könnte kaum besser dargestellt werden als bei "Bones" mit seinem Wechselspiel von himmelhoch jauzend und zum Tode betrübt.

Eine Reminiszenz an "Reservoir" bildet sich auch bei "Lenslife". Von der großen Melodie über den mehrstimmigen Gesang bis zum treibenden Schlagzeugspiel in Verbindung mit der Trompete von Leon Beckenham wird einem Fan der gar nicht mal so alten Songs die Hand gereicht, wenngleich auch hier deutlich wird, dass Fanfarlo in musikalischer Hinsicht mehr Experimentierfreude als in der Vergangenheit beweisen. War das Debüt noch so herrlich eigensinnig, lässt sich "Rooms filled with lights" schon eher mit den anderen vergleichen, den Arcade Fires etwa oder den Noah And The Whales. Schlecht und damit ein Alarm für die Indie-Polizei muss das aber gar nicht sein. Und ganz ehrlich: So sehr verändert haben sich Fanfarlo nun auch wieder nicht.

Die zweite Single "Deconstruction" etwa gewinnt beim dritten und vierten Hördurchgang gewaltig, und der instrumentale Albumteiler "Everything turns" sorgt mitsamt Glockenspiel ohnehin für einen Spannunseffekt. Mit "Tightrope" geht es schließlich ohne Verschnaufpause weiter, jedes Instrument, das gerade im Studio verfügbar war, wird rausgeholt und vor einen kunterbunten Hintergrund gepackt, in dem Bläser, Balthazar und die bösen, bösen Synths einen Platz finden. Mit "A flood" geht das Quintett dann doch noch einen großen Schritt zurück zum alten Ich der Band und gönnt allen, die sie jetzt doof finden, doch noch ihren Spaß - und sich selbst auch, wenn sie mit "Everything resolves" einen Song ans Ende packen, der nicht mal 40 Sekunden lang ist. Alles löst sich auf, hoffentlich auch das Problem der Dooffinder. Und falls nicht, können die ja immer noch die Türen schließen und einfach draußen bleiben.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Lenslife
  • Shiny things
  • Tightrope
  • Bones
  • Dig

Tracklist

  1. Replicate
  2. Deconstruction
  3. Lenslife
  4. Shiny things
  5. Tunguska
  6. Everything turns
  7. Tightrope
  8. Feathers
  9. Bones
  10. Dig
  11. A flood
  12. Everything resolves

Gesamtspielzeit: 44:38 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
qwertz
2012-04-29 14:47:26 Uhr
Das gestrige Konzert in Hamburg war großartig! Sympathische Band (bezaubernde Keyboarderin/Violinistin), ständiges Rotieren an den Instrumenten, toller Sound und effektvolle Umsetzung der Songs. Überhaupt sind mindestens die Hälfte der Songs vom neuen Album sehr, sehr gut. Finde den raffinierten Sound und den Einsatz der synthetischen Elemente im Moment spannender als das den herkömmlicheren Klang von "Reservoir". Gute Weiterentwicklung!
magic is happening
2012-03-12 11:30:36 Uhr
kann nicht mal echte magic happenen und diese band von einem (atomaren) blitz getroffen werden? danke
novemberfliehen
2012-03-11 22:20:59 Uhr
Tunguska und A Flood sind tolle Lieder; im Großen und Ganzen kann es jedoch dem großartigen Vorgänger nicht das Wasser reichen.
edgar
2012-02-21 17:31:40 Uhr
sehr enttäuschend! gefällt mir leider gar nicht...
seno
2012-01-10 07:45:20 Uhr
Das erste Album gefiel mir auch noch sehr aber nach den ersten Hörproben des neuen Albums bin ich doch ziemlich skeptisch. Mal abwarten.
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