Ceremony - Zoo

Ceremony- Zoo

Matador / Beggars Group / Indigo
VÖ: 02.03.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Vollzeitlos

Dass Ceremony noch nicht in irgendeiner Zeitschleife auf Nimmerwiedersehen verschwunden sind, grenzt an ein Wunder. Vielleicht probt die Band in der Garage von Doc Brown, vielleicht haben sie auch ihre eigene TARDIS im Garten stehen, in der sie ihre Gitarrenverstärker unterstellen. Wie kann es sonst angehen, dass diese Band sich gleichzeitig allem Modernen verweigert, den Hardcore-Großtaten des Jahres 2011 um einige Monate voraus war und mittlerweile schon wieder ganz woanders herumbuddelt?

"Rohnert Park" war 2010 eigentlich zu früh dran. Die große Welle Indie-infizierter Hardcore-Platten kam erst 2011, dann aber mit ziemlicher Wucht: Touché Amoré, Fucked Up, La Dispute, Defeater, Pianos Become The Teeth, um nur die bekanntesten zu nennen. Ceremony waren da schon wieder ein bisschen in der Versenkung ihres Studios verschwunden. Was sie dort gemacht haben, konnte man nicht in den einschlägigen sozialen Netzwerken verfolgen. Denn die Band informiert ganz unten auf ihrer Website (immerhin die gibt es!) recht trocken: "We do not have a Twitter, MySpace or Facebook."

Umso überraschender ist das Ergebnis. "Zoo" ist nur noch von der Attitüde her ein Hardcore-Album. Der DIY-Sound der Marke Minor Threat, die schrammeligen Gitarren, das allgemeine Leiern der Musik - all das ist bekannt. Die Songs selbst sind aber nun mehr Indie als Hardcore und mehr Garagenblues als angepisster Krach. Während der schlurfigsten Momente in "Repeat the circle" oder "Video" kippt die Platte gar in eine Art LoFi-Shoegaze, wenn fiepende Gitarren sich einen Weg durch die rumpelnde Rhythmussektion suchen. Oft ist "Zoo" zwar immer noch Punk, aber auch nicht mehr so richtig Hardcore. "Hysteria" und "World blue" braten sich simpel-effektiv durch ihre drei Akkorde, aber der Wille zur Aggressivität geht der Band auch dann ab, wenn es mal lauter wird. Dazwischen schieben sich noisige Indie-Perlen wie der perfekt arrangierte Dreiminüter "Adult" oder die in gleichem Maß monotone wie ohrwurmige Normalo-Hymne "Ordinary people". "Ordinary people / We do ordinary things": viel schnörkelloser geht es wohl nicht.

Fans von "Violence violence" oder "Still nothing moves you" werden von "Zoo" zweifellos enttäuscht sein, aber Ceremony sind einfach schon wieder einen Schritt weiter. Ein wenig erinnert die Platte an die Entwicklung, die Bands wie Minutemen oder Fugazi ausgehend vom Hardcore gemacht haben. Ob Hardcore 2012 immer noch der heiße Scheiß ist, kann den Kaliforniern also ziemlich egal sein. Das ist eine Frage der Gegenwart und keine, die Ceremony betrifft.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Hysteria
  • Adult
  • Ordinary people

Tracklist

  1. Hysteria
  2. Citizens
  3. Repeat the circle
  4. World blue
  5. Quarantine
  6. Brace yourself
  7. Adult
  8. Hotel
  9. Ordinary People
  10. Nosebleed
  11. Community service
  12. Video

Gesamtspielzeit: 36:29 min.

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