Motorpsycho & Ståle Storløkken - The death defying unicorn

Motorpsycho & Ståle Storløkken- The death defying unicorn

Stickman / Soulfoud
VÖ: 10.02.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der weiße Wal

Plötzlich ist man ein Kapitän, wie bei einer dieser Geschichten von Jack London. Motorpsycho entwerfen auf diesem Konzeptalbum eine krude Geschichte über einen Schiffsuntergang, über die Gewalt des Meeres und ziehen den alten Proteus aus den Tiefen des Ozeans. "The death defying unicorn" ist ein Gewaltakt, ein Doppelalbum, das nicht nur textlich eine Herausforderung für den Hörer darstellt, auch musikalisch ist diese Geschichte nahezu unerschöpflich. Selbst im 23. Jahr der Bandgeschichte werden Motorpsycho nicht müde, neue Wege zu begehen.

Der erste Eindruck ist besonders: Da klappt man diese weiße, dicke Box auf und wird mit einem psychedelischen Bild konfrontiert, das an Moby Dick erinnert, an die großen Seemannsgeschichten, das an der Urangst des Menschen vor dem Unergründbaren rührt. Fesselnd ist dieses Bild, das Sinnbild der Mystik dieser musikalischen Reise ins Ungewisse. Gemeinsam mit dem norwegischen Jazz-Keyboarder Ståle Storløkken, mit einem Streichoktett und Geiger Ola Kvernberg entwickelte man von 2010 an das Konzept für "The death defying unicorn", das bald die Ausmaße einer wilden Odysee annahm, von psychedelischen Kraftausbrüchen bis hin zu folkloristischen Melodieschleifen, verstörenden Jazz-Arrangements und epischem Progrock.

Die Produktion ist umwerfend: Es ist sauber und druckvoll, wie hier das Schlagzeug auf anarchisch arrangierte Streicher trifft, wie die Gitarren mit dem Bass duellieren und der Gesang von Bent Sæther und Hans Magnus Ryan körperlos über diese ungefähren Weiten gleitet. Da spielt es keine Rolle, dass das Intro von "The death defying unicorn" schwer nach Jethro Tull ca. 1982 riecht und man die Ungewissheit aushalten muss, dass dieses Konzeptalbum komplett in die Hose gehen könnte. Spätestens nach den ersten paar Sekunden ist aber klar: Das hier ist eher King Crimson als Emerson, Lake & Palmer - und natürlich keine Rockoper, wie immer mal wieder zu lesen ist.

Mit solchen Monstern wie "Tommy" oder "The wall" hat "The death defying unicorn" nur gemein, dass der Platte eine kohärente Geschichte zugrundeliegt. Und sowieso: Rockoper? Ähm. Motorpsycho scheren sich weiterhin nicht um Konventionen und Berechenbarkeit. Stattdessen tauchen sie in die Tiefen einer unwirklichen Welt, führen den Hörer durch die Höllenkreise Dantes bis hinauf ins gleißende Licht. "Welchen Weg man auch einschlägt, er führt einen unfehlbar zum Wasser. Das Wasser hat eine magische Anziehungskraft, es lockt die Menschen vom Festland weg, über Berg und Tal, an Bächen und Flüssen entlang zum Meer. Zum Meer, wo der Mensch sich selbst wiederfindet, wie in einem Spiegel.", steht in "Moby-Dick" geschrieben. Dieses Album ist ein Wahnsinn.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Into the Gyre
  • Out of the woods
  • Oh Proteus - a lament

Tracklist

  • CD 1
    1. Out of the woods
    2. The hollow lands
    3. Through the veil
    4. Doldrums
    5. Into the Gyre
    6. Flotsam
  • CD 2
    1. Oh, Proteus - a prayer
    2. Sculls in Limbo
    3. La lethe
    4. Oh, Proteus - a lament
    5. Sharks
    6. Mutiny!
    7. Into the mystic

Gesamtspielzeit: 84:13 min.

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