Tindersticks - The something rain

Tindersticks- The something rain

Lucky Dog / City Slang / Universal
VÖ: 17.02.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ganz unten

Die alten Hasen betreten Neuland. Und man hört es ihnen an. Gelassen, ausgeruht, entspannt ist "The something rain", das neunte Studioalbum der Tindersticks. Die Briten haben kurzerhand ein eigenes Label gegründet, es "Lucky Dog" genannt und veröffentlichen nun in Eigenregie ihre zarten, neurotischen Pflänzchen, die alles sind, nur keine Routine. Ihren 20. Geburtstag hat die Band unlängst gefeiert, und Stuart A. Staples sagt dazu: "We are still drinking, laughing, crying, fighting, fucking, making our music". "The something rain" berichtet von dieser Zäsur, die gar keine sein soll.

Über neun Minuten dauert der Opener: "Chocolate" kommt mit seinen gespenstisch gesprochenen Wortkaskaden wie ein verschütteter The-Notwist-Song daher, der Syd Barrett als Geschichtenerzähler sampelt. Der Opener gibt die Richtung vor - elegant, flächig und sehr atmosphärisch ist das hier. Ganz egal, ob "Show me everything" an Nick Cave erinnert, "This fire of autumn" an die späten Blur und "Medicine" an die verstörenden Devastations: Alles fließt zusammen, jede Note gehört an den ihr zugedachten Platz. So homogen und voller Selbstvertrauen haben Tindersticks schon seit ein paar Alben nicht mehr geklungen.

Es gab mehr als zwanzig Songideen, mit denen die Band ins Studio ging, neun davon haben es auf "The something rain" geschafft. Mit gewissenhafter Detailarbeit reichern sie diese verbliebenen Nummern mit essentiellen Feinheiten an: Saxophone werden gesampelt, gespenstische Keyboardflächen wachsen empor, orchestrale Experimente machen die Runde. Eine Frauenstimme mäandert körperlos zwischen den Lautsprechern umher, und Staples gibt den gebrochenen Gentleman. So viel Stil haben sonst nur alte Männer, die maßgeschneiderte Anzüge und passende Hüte tragen.

Dieses Album zieht einen ganz nach unten, dorthin, wo man eigentlich nicht mehr hin will: in die Abgründe der eigenen Laune. Ist man dort allerdings erst einmal angekommen, macht man es sich gerne gemütlich. Die 50 Minuten dieses Albums sind passgenau auf die zynischen Momente abgestimmt, auf die Situationen, in denen man sich im Selbstmitleid suhlt, man lauthals schreien will, aber keine Stimme findet. Für genau diese Momente haben die Tindersticks dieses Album geschrieben. Mit "The something rain" schmerzt das Leben erst so richtig. So soll es sein.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • This fire of autumn
  • Medicine
  • Frozen

Tracklist

  1. Chocolate
  2. Show me everything
  3. This fire of autumn
  4. A night so still
  5. Slippin' shoes
  6. Medicine
  7. Frozen
  8. Come inside
  9. Goodbye Joe

Gesamtspielzeit: 50:22 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Demon Cleaner
2012-05-10 11:18:10 Uhr
"Chocolate" ist auf jeden Fall ein sehr sehr hypnotisierender Einstieg! Das ganze Album gefällt mir aber schon sehr gut. 8/10 sind das mindestens.
90ty
2012-05-09 23:15:19 Uhr
Mit Neuanfang meinst du die Hungry Saw?
Kann bei den Tindersticks nur sehr schwer begreifen, warum es einen Konsens zu geben scheint, dass die mittleren (bis späteren) Alben langweilig sein sollen.

Schmalzig, triefend und träge finde ich auch die (wieder Konsens) Curtains oder I + II...

Außerdem ist die 2001er Can Our Love mein liebstes Tindersticks-Album, wenn ich mich entscheiden müsste!

wwe
2012-03-15 19:04:06 Uhr
ich war vor 15 Jahren mal großer Fans der Tindersticks, dann ging mir das ständige Gestreiche etwas auf den Keks..aber seit dem "Neuanfang" gefallen sie mir besser denn je. Vom Feinsten, Mr. Staples!

2012-03-14 17:23:33 Uhr
Tindersticks = Lambchop minus Prefab Sprout geteilt durch Songs:Ohia
schlichtweg
2012-03-12 23:13:34 Uhr
großartig!
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