Paul McCartney - Kisses on the bottom

Paul McCartney- Kisses on the bottom

Concord / Universal
VÖ: 03.02.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Plombenzieher

Die Geschichten sind schon tausendmal erzählt, schön bleiben sie dennoch. Wie der kleine Paul McCartney mit seinen großen Augen dem Vater beim Klimpern auf dem Klavier zuschaute, derweil er auf dem Teppich lag und sich wünschte, eines Tages auch so ein guter Musiker wie sein Vater zu sein. Was McCartneys alter Herr damals so spielte, das waren Jazz-Songs aus den Zwanzigern, Dreißigern - importiert aus Amerika. George Gershwin oder Cole Porter wurden im Haushalt der McCartneys geträllert und hatten damit einen enormen Einfluss auf das Leben des Beatles-Bassisten. Mehr als 60 Jahre später widmet Paul McCartney den Songs und Songwritern dieser Ära ein ganzes Album.

"Kisses on the bottom" hat er es genannt, und damit auch ein jeder die Bedeutung dieses Albums versteht, hat er sich für das Booklet interviewen lassen. Die Wurzeln seiner musikalischen Sozialisation (und auch die von John Lennon) sollen offengelegt werden. Doch etwas seltsam muten diese Aufnahmen schon an: Veröffentlichte Brian Wilson vor nicht allzu langer Zeit seine extravagante Hommage an George Gershwin, kommt McCartney mit der größeren Nummer an: Er adaptiert beschwingte Jazz- und Swing-Nummern für ein umfassendes Evergreen-Album. Es ist sein Metier, hier kennt er sich aus, das läuft von selbst: Selige Melodien, verspielte Arrangements, leichter Witz, gute Laune.

"Bye bye blackbird", das seine besondere Bedeutung schon im Namen trägt, steht hier neben dem schmalzigen "Get yourself another fool". Trotz der seltsamen Entrücktheit, die "Kisses on the bottom" durchaus als Soundtrack von "Alice im Wunderland" durchgehen lassen hätte können, flanieren doch immer wieder verliebte Paare vor dem geistigen Auge, die händchenhaltend durch eine Allee weißer Fliederbäume hüpfen. Die Helden heißen hier Mary Popins, Nierentisch und "Ein Amerikaner in Paris". Kitschig ist das, was man hier hört. Und ob seiner Entschleunigung, seiner konservativen Haltung doch rührend. Paul McCartney weiß, wie angreifbar er sich mit diesem Album macht. Und hat deswegen erst recht das Londoner Symphonie Orchester in die Abby Road Studios geladen.

Neben diesen ganzen seligen Traditionals gibt's aber auch zwei brandneue Songs des Grand Senior der Popmusik. "My valentine" und "Only our hearts" heißen sie und fügen sich nahtlos in den bedeutungsvollen Sound. Eric Clapton zupft hier die Gitarre, Stevie Wonder bläst in die Mundharmonika. Der Bogen zur etwas jüngeren Geschichte dieses genialischen Musikers wird damit gespannt und den Erwartungen genüge getan. Dieser magische Funke, der in der Stimme McCartneys liegt und dem man sich kaum erwehren kann, der ist auch auf "Kisses on the bottom" allgegenwärtig. Versteckt unter einem großen, sehr großen Bausch Zuckerwatte.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • I'm gonna sit right down and write myself a letter
  • My valentine
  • My good friend the milkman

Tracklist

  1. I'm gonna sit right down and write myself a letter
  2. Home (when shadows fall)
  3. It's only a paper moon
  4. More I cannot wish you
  5. The glory of love
  6. We three (my echo, my shadow and me)
  7. Ac-cent-tchu-ate the positive
  8. My valentine
  9. Always
  10. My very good friend the milkman
  11. Bye bye blackbird
  12. Get yourself another fool
  13. The inch worm
  14. Only our hearts

Gesamtspielzeit: 49:23 min.

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