Damien Jurado - Maraqopa

Damien Jurado- Maraqopa

Secretly Candian / Cargo
VÖ: 24.02.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Neumalklug

Hallo? McFly? Jemand zuhause? Ist der dezente Fifties-Vibe, der Damien Jurados Letztwerk "Saint Bartlett" durchflimmerte, tatsächlich schon wieder passé? Petticoats, Milkshakes, Pomaden-Nostalgie? Und an jeder Straßenecke aus dem Handgelenk schnippende James Deans? Denkste, Puppe! Obwohl erneut gemeinsam mit Label-Kollege Richard Swift aufgenommen und produziert, fiebert der Opener von "Maraqopa" erstmal durch Seventies-Trance-Rock. Orgeln und Gitarren branden in halluzinogenen Wellenschlägen über und unter Jurados Kopfstimme, die sich schließlich ganz hinten im Mix zur Ruhe setzt, um die letzten Minuten dieses Trips ansprechend auf sich wirken zu lassen. Da helfen Kopfrubbler auch nicht mehr. Denn auch sonst macht "Maraqopa" zwar keineswegs Tabula rasa mit Jurados nach wie vor folk- und countryinspiriertem Mitternachtspop - dennoch gibt er sich auf diesem Album so fintenreich wie nie zuvor.

So wird die Instrumentierung des Titelsongs ganz sachte bespielt, ist jedoch in jeder Betonung glasklar erkennbar. Die Bässe resonieren weich und rund, die Gitarren verwischen beinahe mit dem Shaker-Rütteln, und selbst wenn zur zweiten Strophe einzelne Klaviertöne auftauchen, so erheben sie sich nur ganz kurz und verschwinden prompt wieder im Hall. Zu "Life away from the garden" antwortet ein Kinderchor ebenfalls so behutsam auf Jurados Zeilen, dass selbst diese in der Regel ja extrem nichtssagende Geste zu einem mehr als gelungenen Element gerinnt. Bei "Reel to reel", "Mountains still asleep" und vor allem dem hervorragenden "Working titles" schleichen sich hingegen doch noch Fifties-Schunkel-Beats und Doo-Wop-Chöre ein - gefiltert durch einen Klangnebel, der die Dekaden wie ein offenes Buch sachte zuklappt, bis sie als Nahtstelle übereinanderliegen und nach ziemlich altem und ziemlich neuem Papier gleichzeitig duften.

Einmal derart konzentriert freigespielt, fällt auch das späte Meisterstück "Museum of flight" nicht mehr schwer, zu dem Jurado sein Falsett nochmals steigert und schlichte Folk-Pop-Akkorde eine Anmutung kurz vor Slocore und Shoegaze ersinnen. Oder auch andersherum. Weshalb man sagen muss: Das einzige, was man dieser in so vielen Facetten reflektierenden und ungemein listigen Platte vorwerfen könnte, ist, dass sie Jurados Stimme erstmals mitberechnen muss, statt sie als Icon nach außen zu stellen. Doch "Maraqopa" ist an allen Ecken und Enden schlichtweg viel zu gut, als dass das wirklich negativ auffallen würde. Schließlich sitzt auch die Stimme hier perfekt. Sie wird ein-, nicht etwa herausgerechnet. So geht lediglich ein wenig seelischer Druck verloren, der stets durch Jurados Stimmbänder zitterte. Genau dadurch wird aber auch Platz geschaffen: für das musikalisch wohl cleverste Album, das Jurado bisher aufgenommen hat. Mit jeder Note zurück aus seiner eigenen Zukunft.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Life away from the garden
  • Maraqopa
  • Working titles
  • Museum of flight

Tracklist

  1. Nothing is the news
  2. Life away from the garden
  3. Maraqopa
  4. This time next year
  5. Reel to reel
  6. Working titles
  7. Everyone a star
  8. So on, Nevada
  9. Museum of flight
  10. Mountains still asleep

Gesamtspielzeit: 36:45 min.

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