Kristofer Åström - From eagle to sparrow

Kristofer Åström- From eagle to sparrow

Startracks / Indigo
VÖ: 24.02.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Einer weniger

Warum eigentlich treibt es so viele Menschen fernab der Heimat instinktiv zu McDonald's? Die Antwort dürfte in den meisten Fällen ähnlich klingen: "Da weiß man, wie es schmeckt." Nun wäre es weiß Gott ziemlich unverschämt, Kristofer Åströms Alben als musikalisches Fast Food abzutun - Verlässlichkeit allerdings ist eine Eigenschaft, die ihn unanzweifelbar mit den Burgerbratern verbindet. In welchem Genre er sich als Solokünstler auch herumtreibt, immer ist da diese eine, vertraute Stimmung: ein bisschen Weltschmerz, aber keine Depression. Ein bisschen konventionell, aber nicht langweilig. Warum unter so vielen Ähnlichen immer wieder er mit seinen Liedern im Ohr hängen bleibt? Vielleicht, weil sie immer wieder das entscheidende bisschen mehr ergeben als die Summe ihrer schlichten Teile.

Je reduzierter die Mittel, mit denen Åström arbeitet, desto gewaltiger ist meistens das Ergebnis - ein Paradoxon, das "From eagle to sparrow" noch einmal stärker, in sich geschlossener wirken lässt als zuletzt "Sinkadus" oder den Country-Ausflug "Rainaway town". Vieles erinnert an frühe Alben wie "Northern blues": wenige Instrumente, wenig Lautstärke, wenig harmonische Variation. Nur "Taser gun" rockt in mittlerem Tempo etwas linkisch vor sich hin, auch "Strong & tall" schrubbt seine lässigen Viertel-Anschläge recht lebhaft herunter.

Das puristische Herzstück des Albums allerdings ist "Full moon": acht Minuten, zusammengesetzt aus den immer gleichen zwei Akkorden. Wie Ying und Yang pendeln sie unter dem phlegmatischen Gesang hin und her, auch Stimme und Picking-Muster bewegen sich nur in Millimeter-Schritten. Das Lied treibt auf die Spitze, was sich auch durch den Rest des Albums zieht: "From eagle to sparrow" entschleunigt und entschlackt, wo es geht: Nicht nur die unheilschwangere Melodie von "The long run" ließe sich ohne Weiteres mit allen Country-Schikanen aufplustern - ob das Ergebnis wirklich besser wäre als der halbnackte Akustik-Rohbau, den Åström wählt, ist eine andere Frage. Auch die sentimentalen Momente, "For you" und "When will you come back?" besonders, würden mit mehr Instrument-Ballast ziemlich sicher in Überfrachtungs-Gefahr geraten.

Wer zwischen der vertrauten Schlichtheit nach Ungewohntem sucht, der muss sich relativ lange gedulden, bis "Can you imagine?" aufhorchen lässt: Auch das ist Folk, klar - aber zugleich eine Moritat, die klingt, als hätte jemand ganz anders ein Kuckucksei in Åströms Spatzennest gelegt: Das gepresste Timbre, der stoische Americana-Rhythmus, Zeilen wie "You see I'm a slave and slaves don't get away" - es fällt schwer zu glauben, dass Conor Oberst da nicht seine Finger im Spiel hatte. Vielleicht gar kein Wunder? Schließlich sagen auch dem viele nach, dass seine stillsten Momente das längste Echo hätten.

(Jana Fischer)

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Highlights

  • Full moon
  • Strong & tall
  • When will you come back?

Tracklist

  1. For you
  2. Queen of sorrow
  3. Loupita no. 5
  4. Taser gun
  5. Full moon
  6. The long run
  7. Strong & tall
  8. Come summer (come standing outside your door)
  9. Loupita no. 6
  10. Can you imagine?
  11. When will you come back?
  12. Forget about it

Gesamtspielzeit: 48:15 min.

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