Alcest - Les voyages de l'âme

Alcest- Les voyages de l'âme

Prophecy / Soulfood
VÖ: 06.01.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Eine Glaubensfrage

Weitergehen, bitte. Hier gibt es nichts zu sehen. Einige Kollegen aber schätzen das ganz anders ein. Vielerorts nämlich wird die neue Platte von Alcest "Les voyages de l'âme" abgefeiert. Trotz manch gutgemeinter Ratschäge zum Songwriting sind schlussendlich alle schwer angetan. Und auch die Szeneinstitution Powermetal.de und wir kommen wohl wieder mal nicht zusammen. Allerorten ist man sich einig, dass Mastermind Neige, der ansonsten mal bei den ungleich streitbareren Peste Noire werkelte, ein herrliches Album zusammengeleimt hat. Angeblich finden sich auf dem Album Shoegaze und Black Metal nahe der Perfektion, ganz ohne Kitsch.

Bilde sich doch einfach jeder selbst ein Urteil. Erster Vorschlag: Den Titeltrack anhören. Man beachte vor allem die letzten zwei Minuten. Klingelt's? Die Neue von Mono? Fast. Kleiner Tipp: Es ist ein Filmsoundtrack gemeint. Von Disney. Der König der Löwen? Treffer! Sicher, jeder kann ja von der Aufrichtigkeit von "Les voyages de l'âme" halten, was er will. Aber in welcher Welt bitte soll diese Reise in ein wundersames Feenland, mit diesen Melodien, diesem Artwork und dieser Ernsthaftigkeit nicht gnadenlos schwülstig sein? Mitunter wirkt es, als würde die Wehmut die heimischen Lautsprecher verkleben, so naheliegend und cheesy gerät auch "Nous sommes l'émeraude".

Das tranige Pathos, das die erste Hälfte des Albums förmlich erdrückt, gerät umso ärgerlicher, weil zwei Songs zeigen, wo die Reise hätte hingehen müssen: Das strahlende und abwechslungsreiche "Faiseurs de mondes" wandert über dem Nebel und bietet einen beeindruckenden Ausblick auf die Möglichkeiten, aus denen Neige schöpfen könnte. Auch das geradlinige und rockige "Summer's glory" wird einem nie zu viel. Der Ausgangspunkt von Alcest ist insgesamt nicht schlecht gewählt. Da stimmt die Chemie zwischen dem Black-Metal-Gebolze und der Melancholie des Shoegaze. Um aber wirklich die Fehltritte der ersten Hälfte vergessen zu machen, müsste sich "Les voyages de l'âme" viel deutlicher zum Lärm als Spielverderber bekennen, der noch aus dem Vorgänger "Écailles de lune" ein starkes Album gemacht hat.

Im besten Falle nämlich gelingt es Neige, zwischen den ausladenden Gesten mehr als ein Gitarrenriff zu verstecken, das durch Mark und Bein geht. Was jedoch in den gelungenen Passagen noch wundersame Weltflucht ist wie die Lektüre von Tolkien, wirkt in den schlechten nur noch brav und sedierend. Manchmal ergehen sich Alcest auf "Les voyages de l'âme" in ziemlich miefigem Kitsch. Mit dem Album ist es offenbar wie mit der Homöopathie: So lange verdünnen, bis keine Rückstände des eigentlichen Krankmachers mehr vernehmbar sind. Und dann gilt es, dran zu glauben.

(Nicklas Baschek)

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Highlights

  • Faiseurs de mondes
  • Summer's glory

Tracklist

  1. Autre temps
  2. Là où naissent les couleurs nouvelles
  3. Les voyages de l'âme
  4. Nous sommes l'émeraude
  5. Beings of light
  6. Faiseurs de mondes
  7. Havens
  8. Summer's glory

Gesamtspielzeit: 50:22 min.

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