Zoe Leela - Digital guilt

Zoe Leela- Digital guilt

Rent A Record Company / Rough Trade
VÖ: 17.02.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Multitasting

Zoe Leela? Nie gehört? Man könnte sie sich gut als beste Freundin von Lana Del Rey vorstellen. Dann muss ja wohl was dran sein an der Dame, oder? Und man kann wirklich nur hoffen, dass ihrem Debüt "Digital guilt" ein wenig von der unheimlichen Aufmerksamkeit beschieden ist, die Lana Del Rey momentan auf sich zieht. Die Platte nämlich, erstmals in Albumlänge und der Nachfolger einer schicken EP namens "Queendom come", ist große Klasse. Zoe Leela kommt aus Berlin, hat mal in New York gelebt und zelebriert nun ihre vielfältigen künstlerischen Neigungen. In diesem Falle also ihre eigenen Interpretationen von elektronischem Pop. Oder TripHop-Jazz-Dingens. Oder Indietronic. Auch egal.

"Digital guilt" wirft sich dem Hörer zunächst ziemlich an den Hals und lockt damit schnell auf die falsche Fährte. Die Komplexität der Platte erschließt sich erst nach einigen Songs, beim verrauchten "Bleed" zum Beispiel. Das hat nämlich plötzlich nicht mehr viel zu tun mit dem charmanten "Pop up", das auf dem Drahtseil über dem Trash Grimassen schneidet. "Puppets" wuchtet einen schwer pulsierenden Refrain über eine nölige Strophe, bei der man so gar nicht damit rechnet, das sie sich zu solchen Dramen aufschwingen würde. Und als wäre nichts passiert, lässt sich "Load" wieder nicht in die Karten schauen. Die ehemalige Schauspielschülerin Zoe Leela spielt gegen die Til-Schweiger-Wachsfigur an und übt sich in Facettenreichtum. Mal poppig, mal smooth, mal was für den Club, mal verzweifelt mit verschmiertem Make Up, mal unterkühlt um den Eindruck größter Souveränität bemüht. Identitätsfindung ist so leicht nicht und doch darf sich Zoe Leela sicher sein: "I will save my dignity."

Doch was auf dem Album derart schick losgeht ist letztlich nur das Vorspiel für die echten Großtaten. Die zweite Hälfte von "Digital guilt" nämlich gerät ausnahmslos exzellent: "Jewel" gaukelt zunächst vor, in der Einzahl zu sprechen, stimmt aber doch schlussendlich in den vielstimmigen Chor ein. Ist es eine Beziehungstat oder doch für die Allgemeinheit gedacht? Zoe Leela spricht vom Wetter und meint den Klimawandel. Klar, Gitarren könnte man ja auch noch machen, denkt sie sich dann irgendwann, erinnert sich an eine alte Zusammenarbeit mit dem Such-A-Surge-Gitarristen - und erdreistet sich dann doch tatsächlich, 1990er-Crossovergitarren in "She rides" bratzen zu lassen. Voller Erfolg, abhaken. Und vergesse man mir bloß nicht "Violet", womöglich das großartigste Stück unter all dem Gold, das selbst Trent Reznor vom Boden aufklauben würde.

"Digital guilt" leistet sich einen immensen Abwechslungsreichtum und erstaunt umso mehr dadurch, dass keine der unterschiedlichen Klangfarben Zoe Leela schlecht stünde. Frau von Welt kann alles tragen. In Deutschland zumindest ist das hier schon jetzt mit dem ersten vollen Album quasi konkurrenzlos. Das liegt an den großen Songs, der überragenden Produktion und freilich der brillanten Hauptdarstellerin. Machen wir es uns einfach: Zoe Leela ist scheiße cool. Das findet bestimmt auch Lana Del Rey. Am schönsten aber ist, dass sie nicht der Versuchung unterliegt, jede Geste direkt im nächsten Moment wieder ironisch brechen zu müssen. Postmoderne gerne, aber dann mit vollem Ernst. Nur "Sausage" zwinkert offenkundig in Richtung Peaches. Klar, kann sie natürlich auch, wenn sie will. Wie war das noch? "I take care of you as hell breaks loose." Hand drauf.

(Nicklas Baschek)

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Highlights

  • Bleed
  • Puppets
  • Violet
  • Jewel
  • She rides

Tracklist

  1. Pop up
  2. Come on
  3. Bleed
  4. I am
  5. Puppets
  6. Load
  7. Violet
  8. Homicide
  9. Jewel
  10. She rides
  11. Sausage

Gesamtspielzeit: 37:00 min.

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User Beitrag

2012-03-02 22:31:52 Uhr
Zoe Leela = Hipstermüll 5000
VH
2012-03-02 22:28:30 Uhr
Habt ihr schon bemerkt: Wenn man HV von hinten nimmt, stehen seine Initialen für Von Hinten
Takenot.tk
2012-03-02 20:00:11 Uhr
Also, ich finds eigentlich auch sehr gut...
HV
2012-03-02 18:47:33 Uhr
Klar, sonst gibt es ja nie etwas Gutes aus Deutschland? Ich weiß nicht, aber gerade im Bereich der elektronischen Musik gibt es doch so einiges?!

wie gesagt, sind hier die eigenen leute, die das pushen, erkennt man schon an den nichtssagenden nicks und dem schreibstil.

ganz schön erbärmlich. :)
ach nee
2012-03-02 18:28:34 Uhr
Klar, sonst gibt es ja nie etwas Gutes aus Deutschland? Ich weiß nicht, aber gerade im Bereich der elektronischen Musik gibt es doch so einiges?!
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