Therapy? - A brief crack of light

Therapy?- A brief crack of light

Blast / Global / H'art
VÖ: 17.02.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

23 Jahre wach

Dass es Therapy? im neuen Jahrtausend ab und zu gelang, beinahe wie Helmet in den 1990ern zu klingen, ist hinreichend bekannt. Ebenso die Tatsache, dass im Noise-Rock nach wie vor kaum jemand so präzise klingt wie Helmet in 1990ern. Oder auch, dass selbst deren Klassiker heutzutage zwar immer noch partytauglich, aber nicht mehr wirklich stilbildend sind. Therapy? selbst versuchten in den 23 Jahren ihres Bestehens sicherlich häufiger als andere, die musikalische Szenerie aufzulockern. Letztlich aber kamen sie stets mit erschreckend leeren Händen wieder zurück zum breitschultrigen Hau-den-Lukas. Experimentierfreudig klang das öfter mal, wirklich inspiriert hingegen selten. Dass Therapy? demnach immer noch vor allem durchzuhalten wissen, stimmt auch auf "A brief crack of light", ihrem inzwischen elften Album.

Zwar ist die Luft zwischen imponierendem Eigensinn und störrischem Konservatismus mittlerweile in etwa so dünn wie der Sound ihres Debüts "Nurse", von dem sich Therapy? aber auch recht hastig wieder verabschiedeten. Doch wie jede Fußballmannschaft ihren einen Knochentreter, so braucht halt auch die Musik ihre paar unverbesserlichen Stiernacken. Auf "A brief crack of light" ist gleich das erste Riff solch ein Kraftprotz: Klickende Bassläufe, eine Snare mit der Resonanz eines Eisenstabes, Gitarren als Breitwandbrummen und der ein oder andere rhythmische Ausreißer - in Sound wie Arrangement präsentiert sich "Living in the shadow of a terrible thing" als astreine Noiserock-Immobilie, der das folgende "Plague bell" noch ein paar Krachlatten mehr an die Fassade zimmert.

Doch apropos immobil: Immer schon konnte man Therapy? auch vorhalten, dass ihnen der melodische Mehrwert zwar nur selten derart glückte wie auf dem kongenialen Populismus von "Troublegum", sie aber dennoch wie Klammeräffchen an ihm festhielten. Die Suche nach Popmomenten und -Melodien wollen sie entsprechend auch auf "A brief crack of light" keinesfalls aufgeben, wobei sie jedoch erneut einigermaßen verkrampfen. So wirken die Säusel-Choräle über dem instrumentalen "Marlow" doch viel zu konstruiert und im Hook-Willen verbogen. Und auch das folgende "Before you, with you, after you" versucht sein "Unsung"-Riffing bis in den elegischen Refrain hinein abzubilden, findet dabei aber statt kraftvoller Vertiefung nur eine ziemlich cheesige Melodie.

Nach derartigen Stolpersteinen, von denen Therapy? eben recht trittsicher jeden einzelnen mitnehmen, wird es mit "Ghost trio" wieder angenehm konsequent. Die Gitarren schlieren jetzt auch mal über einen einzigen Akkord und halten damit die Spannung bis zum nächsten Ausbruch. Und auch folgend gibt es brennende und zugleich kellertiefe Frequenzen genug, sodass die musikalische Hartnäckigkeit zwischen Stop-And-Go und ein paar Psycho-Effekten für den Moment durchaus Spaß macht. Bis Therapy? auf dem abschließenden "Ecclesiastes" mit Vocoder und Postrock-Balladen-Gezupfe unbedingt wieder den Mehrwert-Beweis antreten wollen, dann aber doch nur eine Gesangsmelodie schräg links von "Rockin in the free world" anzubieten haben. Sprich: Was Helmet nicht konnten, das lernen Therapy? nimmermehr. Nimmermüde bleiben sie dabei trotzdem.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Plague bell
  • Ghost trio

Tracklist

  1. Living in the shadow of the terrible thing
  2. Plague bell
  3. Marlow
  4. Before you, with you, after you
  5. The buzzing
  6. Get your dead hand off my shoulder
  7. Ghost trio
  8. Why turbulence?
  9. Stark raving sane
  10. Ecclesiastes

Gesamtspielzeit: 41:12 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
.o.
2012-07-25 14:23:49 Uhr
Ein Song von dem Album in Unplugged:
http://www.youtube.com/watch?v=6wheaPE9NCkfeature=player_embedded
Wolffather
2012-02-18 13:02:03 Uhr
leider eine sehr sehr unterbewertete Band, wie man auch in der Rezension hier lesen kann. Waren nie Kritikerlieblinge, aber wen interessiert's... finde eigentlich fast ihre gesamte Diskographie hörenswert und sehr abwechslungsreich
fg.
2012-02-18 11:08:34 Uhr
"eine der besten, eigensinnigsten und kreativsten Bands auf diesem Globus!"

WORD.
royce
2012-02-11 20:03:15 Uhr
Was ist bloss los mit den deutschen Musikmedien? Während die Platte in fast allen britischen Veröffentlichungen gefeiert wird, wird hier in Deutschland von allen Seiten drauf eingedroschen, als wären Therapy? schon immer die mieseste Klon-Band der Welt gewesen! Spart euch eure Häme doch für so nen Rotz wie Tokio Hotel...
Die Platte ist auf jeden Fall der totale Knüller und ich hör sie seit 4 Tagen am Stück.
10 von 10 Punkten für eine der besten, eigensinnigsten und kreativsten Bands auf diesem Globus!
koö.
2012-02-11 13:51:07 Uhr
ich ergänze ein "bei" bei vorgehenden.
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