Suzanne Silver - Deadband

Suzanne Silver- Deadband

Radio Is Down
VÖ: 12.01.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Seltsam auf Sizilien

Ohne Umschweife: "Deadband" ist kurz und zerfahren. Ein skizzenhaftes Chaos in acht Akten, die alle aus einem anderen Drama stammen könnten. Was genau sich Suzanne Silver dabei gedacht haben, bleibt auch nach einem Dutzend Hördurchgängen verschwommen wie Rom nach drei Flaschen Wein. Aber zu dem Gefühl der Ratlosigkeit gesellt sich nach und nach die Erkenntnis, dass dem Chaos eine nicht abzustreitende Schönheit innewohnt. Der Versuch einer Erklärung.

Halten wir uns erst einmal an die Fakten: Acht weder besonders lange noch besonders kurze Songs haben Suzanne Silver auf 24 Minuten verteilt. Die Sizilianer bedienen sich meist und hauptsächlich recht klassischer Werkzeuge der Rockmusik: Schlagzeug, Bass und Gitarre. Allerdings entzieht sich "Deadband" konsequent jeder weiteren eindeutigen Genre-Schublade. Sogar die Songs sträuben sich gegen Einordnungsversuche und nehmen so viel mit, wie halt geht. "Green ocean barrier" beginnt mit Gitarren und Bläsern, wie sie auch Kaizers Orchestra an den Anfang eines Albums stellen würden. Dann folgt Gesang. Die einzige Strophe - nennen wir sie so mangels eines besseren Begriffs - erinnert an die zurückgelehnt-poppigeren Songs von Masters Of Reality, bevor ein brütend-verzerrter Bass und ein monoton schleichender Schlagzeugbeat den Song mit einiger Feedback-Unterstützung in Richtung Doom verschleppen. Und das ist erst das Ende vom Anfang.

Auf "Deadband" nach wiederkehrenden Strukturen zu suchen, ist vergebens. Faszinierend ist, wie die scheinbare Willkür im Kleinen auf die volle Distanz gesehen überhaupt nicht stört. Im Gegenteil: Irgendwie passt alles zusammen, und man muss vielleicht auch überhaupt nicht versuchen zu erklären, warum das so ist. Suzanne Silver spielen sich durch den zerbrechlichen Folk von United States of England", postrocken sich in "Y" durch diverse Rhythmuswechsel und hübsch-schiefe Gitarrenharmonien, packen in "Wave a surfer waits" die Noiserock-Keule aus und lassen während der eineinhalb Minuten von "N-ice" ein halbwüchsiges Metalriff ganz langsam verhungern, indem der Rest der Band sich einfach weigert, so richtig einzusteigen.

Ein kleiner gemeinsamer Nenner ist sicher der bereits erwähnte Noiserock. Kein Wunder, wenn diverse Gitarren und Bässe, Trompete, Saxophon, E-Drums, Keyboard, Klarinette, Piano und Percussion-Instrumente auf so engem Raum aufeinandertreffen. Was schon eher ein Wunder ist: "Deadband" klingt nicht überladen oder gekünstelt. Ja, es ist zerfahren und kurz, aber gleichzeitig abwechslungsreich und voller schräger Ideen. Ob das bei doppelter Spielzeit auch so gewesen wäre, darf bezweifelt werden.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Green ocean breezer
  • Wave a surfer waits
  • Lady carpenter

Tracklist

  1. Green ocean breezer
  2. United States of England
  3. Wave a surfer waits
  4. Y
  5. N-ice
  6. Barabolero ii (My right shoulder skin)
  7. Lady carpenter
  8. La santa

Gesamtspielzeit: 22:41 min.