Matt Elliott - The broken man

Matt Elliott- The broken man

Ici D'Ailleurs / Cargo
VÖ: 20.01.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Erheitern durch Scheitern

Von den "Drinking songs" über die "Failing songs" zu den "Howling songs" und schließlich zu den "Failed songs". Da strotzt einer aber vor Selbstbewusstsein! Und was macht Matt Elliott jetzt? Jetzt, wo die niederschmetternd düstere "Songs"-Reihe vorbei ist? Ein glücklicher Mann wird er jedenfalls nicht. Mit der Hilfe von Yann Tiersen läutet Elliott ein neues Kapitel ein, das mit "The broken man" seinen Ursprung finden soll. Sieben Songs in etwas mehr als einer Dreiviertelstunde, gewohnt physisch verwachsen mit seiner Gitarre und einer scheinbar niemals enden wollenden Traurigkeit in der Stimme, die selbst den hartgesottensten Optimisten mit den Tränen kämpfen lässt. Das ist der Matt Elliott, wie wir ihn nicht erst seit seiner Zeit mit, oder als Third Eye Foundation kennen- und schätzen lernten.

Da passt es nur zu gut, dass mit dem Opener "Oh how we fell" nicht nur der zweitlängste Songs des Albums vorliegt, sondern auch der erste aus einer Reihe von resigniert-anmutenden Titeln seinen Auftritt hat. In über elf Minuten Spiellänge schickt Elliott den Hörer auf eine emotionale Reise, begleitet von Flamenco-inspirierten Klängen und seiner tiefen Stimme, die sich im letzten Drittel des Songs mehrstimmig zu leisen, aber umso dramatischeren Streicherklängen in ein wahres Geheul verwandelt. Was wie die Eingangsmelodie zur Geisterstunde klingt, entwickelt sich schnell zum Thema des Albums. Die Instrumentals "Please please please" und "Hot to kill a rose" erwecken da in ihrer knackigen Kürze den gleichen, geradezu gespenstischen Eindruck, wie das Albumhighlight "Dust flesh and bones" - falls man in diesem Dunkel überhaupt von Höhen sprechen kann.

"This is how it feels to be alone", singt Elliott, und lässt an seiner Einsamkeit teilhaben, als sei es das normalste der Welt, bis auch der letzte Hörer den Titel von "The broken man" schließlich richtig gedeutet hat. Eine Erlösung von seinem betrübten Schicksal ist unmöglich, ein Teilhaben daran zumindest machbar, wenn vielleicht nicht unbedingt erstrebenswert. Dennoch schafft Elliott es mal wieder, mit den minimalsten Mitteln den größtmöglichen Effekt zu erzielen, den man dank des kurz aufflackernden Hoffnungsschimmers in "This is for" hautnah erlebt, als zumindest kurzzeitig das Tempo angezogen wird, oder in der ersten Minute von "If anyone tells us...", wenn das Piano mit den Streichern verschmelzt und doch nur die härtesten 13 Minuten des Albums ankündigt. Elliotts Scheitern zieht runter und holt einen wieder rauf, es schlägt einen nieder und reicht im selben Moment die Hand, es macht traurig und spendet gleichzeitig Trost - wie es eben so oft im wirklichen Leben auch passiert.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Dust flesh and bones
  • If anyone tells me...
  • The pain's yet to come

Tracklist

  1. Oh how we fell
  2. Please please please
  3. Dust flesh and bones
  4. How to kill a rose
  5. If anyone tells me...
  6. This is for
  7. The pain that's yet to come

Gesamtspielzeit: 46:36 min.

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