Caliban - I am nemesis

Caliban- I am nemesis

Century Media / EMI
VÖ: 03.02.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Runaway pain

Nach 15 Jahren sind Caliban sowas wie die graue Eminenz des deutschen Metalcore. Das mag ein Attribut sein, dass in Keifer- und Mosher-Kreisen auf nicht viel Gegenliebe stößt, aber falsch ist es deswegen noch lange nicht. "I am nemesis" strotzt vor Altersweisheit und Erfahrung, muss sich aber auch ein bisschen Kurzsichtigkeit und Sturheit vorwerfen lassen. Auf ihrem achten Album sind Caliban genauso versiert wie festgefahren und genauso routiniert wie vorhersehbar. Aber wer hat denn wirklich noch auf die große Revolution im Metalcore-Genre gehofft?

So ein kleines bisschen tut das vielleicht jeder immer wieder von neuem. Und man muss Caliban zugutehalten, dass sie zumindest mit kleinen Schritten ab und zu versuchen, sich von den ausgetretenen Pfaden zu entfernen. Da gibt es zum Beispiel diese zunächst recht klebrigen Keyboards in "We are the many", die den Song dann zumindest für eine Bridge in Richtung Spacerock schieben. Leider sind solche Momente viel zu selten, um wirklich Abwechslung zu bringen. Meist regiert auf "I am nemesis" solides Metalcore-Songwriting. Doublebass-Geprügel wechselt sich ab mit satten Midtempo-Riffs. Die Leadgitarren gniedeln sich durch simple Skalen, und ab und zu wird das Geschrei durch einen melodieverliebten Refrain unterbrochen.

Innerhalb ihres Metiers lassen sich Caliban dabei nichts mehr vormachen. Songs wie "The bogeyman", "Edge of black" oder "Davy Jones" sind für den Metalcore was die berühmten drei Akkorde für den Punkrock sind: unverwüstlich, mitreißend, altbekannt. Das kann man gerne so machen, aber große Begeisterungsstürme provoziert das nicht. Die Aha-Momente der Platte produzieren Caliban ausschließlich in jenen paar Songs, in denen sie - in welcher Richtung auch immer - den Metalcore hinter sich lassen. In Sichtweite bleibt die alte Heimat zwar auch dann. Aber die Abwechslung ist trotzdem willkommen. "Open letter" zum Beispiel ist fast lupenreiner Punkrock mit einer großartigen Hookline im Refrain, und das schleppend langsame "This oath" wildert zwischendurch ein wenig in Doom-Gefilden. Leider ist das auch schon die ganze, kurze Liste der Ausreißer. Denn zu Hause ist's zwar ziemlich laut - aber wohl doch auch am gemütlichsten.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • We are the many
  • Open letter

Tracklist

  1. We are the many
  2. The bogeyman
  3. Memorial
  4. No tomorrow
  5. Edge of black
  6. Davy Jones
  7. Deadly dream
  8. Open letter
  9. Dein R3ich
  10. Broadcast to damnation
  11. This oath
  12. Modern warfare

Gesamtspielzeit: 45:21 min.

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