Bondage Fairies - Bondage Fairies

Bondage Fairies- Bondage Fairies

Audiolith / Broken Silence
VÖ: 20.01.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Schicht und Latten

Vier hyperaktive Nintendo-Nerds sind doppelt so viele, haben sich wohl Elvis Creep und Deus Deceptor gedacht, und ihrer Band Bondage Fairies gleich noch einen Gitarristen und einen Drummer spendiert. Damit der synthieschwangere Sound lebhafter wird, vor allem live. Damit mehr Rock Einzug hält, vielleicht sogar Elektro-Punk. Da wollen wir doch mal hoffen, dass die Schweden dies live tatsächlich auch einhalten. Dass die Bondage Fairies auf der Bühne die Sau raus lassen, kann man ihrem selbstbetitelten dritten Longplayer jederzeit abnehmen. Vier sind aber eben nicht zwingend besser als zwei Musiker mit hässlichen Masken im Gesicht. Auf Platte ist vom guten Vorsatz nämlich nicht mehr allzu viel übrig geblieben. Die Songs sind zwar gitarrenlastiger als zuvor, wirken aber beizeiten auch arg statisch und verkrampft. Die Band kann eigentlich nie den Verdacht abschütteln, dass hier zu wenig Grundsubstanz vorhanden ist, die die durchaus netten Ideen unterfüttern könnte.

Dabei hauen sich die vier Schweden mit vollem Elan in jeden Refrain, vergessen dabei aber, dass sich drumherum ja auch noch ein ganzer Song befindet, der mit ebensolcher Hingabe gehegt und gepflegt werden möchte. Manchmal scheint es, als würden die Songs besser funktionieren, wenn die Refrains einfach in dreiminütigem Dauerrepeat vor sich hindudeln würden. Da wäre zum Beispiel "1-0", der mittendrin geradezu explodiert, sich voller Freude in Gitarren und elektronischem Firpen und Ziepen wälzt. Oder der Opener "Clone", der sich, wie fast alle Songs auf "Bondage Fairies", ach was, wie fast alle Songs der Bondage Fairies, um die Pluspunkte körperlicher Liebe dreht. Allerdings weiß auch dieser Song nicht, was er mit der Zeit anfangen soll, die sich fast zwangsläufig zwischen die delektablen Refrains aus der kunterbunten Super-Mario-Welt geschoben hat. Ungeachtet dessen macht "Bondage Fairies" mitunter wirklich einfach nur Spaß.

Dann wiederum gibt es Material wie das zweiminütige Instrumental-Gequietsche "Aachen von Essen", ein Kindergeburtstag auf zu viel LSD, das den Tiefpunkt markiert und mit seinem lästigen Gameboy-Gedudel der nervtötendste Track der Platte ist. Visualisiert bekäme man davon sicherlich Augenkrebs, so aber lassen die Bondage Fairies zum Glück nur die Ohren bluten. Es ist schon seltsam, dass man an einigen Stellen trotz all des schlechten Geschmacks nur den Hut davor ziehen möchte, dass dieses enervierende Konzept mit solcher Konsequenz verfolgt wird. Am Ende stehen Schattierungen großer Popsongs, die mangels Tiefgang am eigenen Fundament kratzen und zu selten den Weg raus ans Licht finden. Es heißt zwar, die besten Platten seien nie länger als 30 Minuten. Für manche ist aber auch das noch doppelt zu lang.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Clone
  • 1-0

Tracklist

  1. Clone
  2. Fantasy outfit
  3. Twenty twelve
  4. 1-0
  5. Aachen von Essen
  6. Devil
  7. Morphine
  8. I'm to her what she used to be to me
  9. Shocked but not surprised
  10. Star signs

Gesamtspielzeit: 29:03 min.

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