Die Antwoord - Ten$ion

Die Antwoord- Ten$ion

Cooperative / Universal
VÖ: 03.02.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Was geht los da rein?

Im Vorfeld zur Veröffentlichung des neuen Die-Antwoord-Albums durfte man durchaus skeptisch sein. Würde der Witz, der eigentlich gar keiner ist, ein zweites Mal funktionieren? Bumms-Bumms-Techno, Rap auf Afrikaans, dazu Lyrics zwischen Gesellschaftskritik und fermentiertem Fisch, vorgetragen von Gestalten, die, Entschuldigung, wirklich eigenartig anmuteten. Zum Glück sind Die Antwoord mehr als die ulkige Freakshow mit dem einen großen Hit. Ihr Sound ist billig und trashig, klar, gerade deswegen macht er solchen Spaß. Das mag kalkuliert wirken, ist aber nicht weiter schlimm. Man setzt sich eben in Szene, um im weiten, unübersichtlichen Feld der Pop-Musik aufzufallen - und ebendas gelingt kaum einer anderen Gruppe so gut wie Die Antwoord.

Die Inszenierung der Südafrikaner geht dabei über die skurrilen Outfits hinaus: In ihren Videoclips perfektionieren sie eine Ästhetik, die in ihrer fabulösen Rücksichtslosigkeit schon jetzt Kultstatus genießt. Aber auch die Musik des Trios ist völlig neben der Spur und damit großartig distinktiv: Auf "Ten$ion" gibt es noch mehr billige, schlechte Kirmes-Beats, noch süßere Gesänge von Granddame Yolandi Vi$$er und, zusammenfassend, einen etwas weniger anstrengenden Sound. Vielleicht auch, weil die Songs nicht mehr so uferlos sind wie noch auf "$O$".

Natürlich muss man eine gewisse Furchtlosigkeit mitbringen, um sich "Ten$ion" vollkommen hingeben zu können. Doch in Zeiten, in denen TV-Shows wie "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" Höchstquoten ergattern, kann man von einer allgemeinen Schmerzfreiheit ausgehen, die einer Musikgruppe wie Die Antwoord gut zupass kommt. Wenn Vi$$er über stoische Minimalbeats "I fink u freeky" sprechsingt und Frontmann Ninja den Zuhörer im selben Song zum Springen animiert, ist das durchaus gekonnte Unterhaltung auf angenehm niedrigem Niveau.

Das ruhig-plingende R'n'B-Stück "So what?" klingt fast schon wie eine US-Produktion, wobei Die Antwoord dem Track natürlich ihren ureigenen Stempel aufdrücken. Ein zweites "Enter the ninja" wird man auf "Ten$ion" hingegen vergeblich suchen: Vielleicht ist das aber auch genau der richtige Weg, schließlich gilt es auch jenseits der vielgeklickten YouTube-Hits eine gewisse Standhaftigkeit zu beweisen. Das minimalistische Aggro-Kapstadt-Stück "Fok julle naaiers" oder der bekloppte Techno-Absch(l)uss "Never le nkemise 2" sind geeignete Nummern, die die Einzigartigkeit dieser entrückten Gruppe betonen, ohne sich zu sehr anzubiedern. Der Witz, der eigentlich gar keiner ist, klappt im Rückblick also auch ein zweites Mal. Nur kennt man die Pointe schon.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • So what?
  • Fok julle naaiers
  • Never le nkemise 2

Tracklist

  1. Never le nkemise 1
  2. I fink u freeky
  3. Hey sexy
  4. Fatty boom boom
  5. Zefside zol (Interlude)
  6. So what?
  7. Uncle Jimmy (Skit)
  8. Baby's on fire
  9. U make a ninja wanna f**k
  10. Fok julle naaiers
  11. DJ Hi-Tek rulez
  12. Never le nkemise 2

Gesamtspielzeit: 38:46 min.

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