Ya-Ha! - Immer & überall

Ya-Ha!- Immer & überall

Ya-Ha! / Soulfood
VÖ: 03.02.2012

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 2/10

Keinen Blumentopf

Mitte des Jahres wissen wir mehr. Ob Polen und die Ukraine alle Stadien rechtzeitig zur Fußball-Europameisterschaft fertigbekommen? Und werden sich die Münchener HipHopper Blumentopf per Sprechgesangs-Kommentar im öffentlich-rechtlichen Sportfernsehen wieder gewaltig zum Affen machen? Frontmann Flo Schuster übt jedenfalls schon einmal - bei seiner neuen Band, der neben Sängerin Janna Wonders auch zwei Erfüllungsgehilfen an Gitarre und Bass angehören und die zuletzt im Herbst 2011 vorlaut gegen Kaufrausch und Geiz-ist-geil-Mentalität meckerte. "Die Single "Made in China" ist tanzbare Konsumkritik, die trotz ihrer Allgemeingültigkeit niemals beliebig wirkt", frohlockte dann auch sofort ein Privatsender. Zu Unrecht zwar - doch wer "The voice of Germany" kürt, ist eben schon mit wenig zufrieden.

Auch Ya-Ha! wollen nämlich im Grunde nur das eine. Beziehungsweise das Übliche: Spaß haben unter den Laserkaskaden der In-Dancefloors, plagiierte Bling-Bling-Accessoires spazierenführen, hier und da ein hübsches Girl oder einen knackigen Boy abgreifen und dabei verdammt gut aussehen. HipHop raus, hedonistischen Hipster-Pop rein. Frech schwappt die Elektronik über, in die Leerstellen des Sounds hechten scharfe Gitarren - und Wonders Stimme ist im grellen Schminktopf von Electroclash und Disco-Trash ohnehin nicht zu überhören. Album- und Songtitel sprechen Bände: Ya-Ha! sind "Immer & überall", "Alles & eins", überall und nirgends. Schade nur, dass man sie an keinem Ort allzu lange aushält.

Denn egal, ob sie im Club das "Robotermädchen" bewundern, die "Magie" des Nachtlebens preisen oder sich im körperlichen Nahkampf an einer "Überdosis Du" verheben - zusammenpassen will auf "Immer & überall" herzlich wenig. Zwar schwitzt dieses Album vor Feierei aus allen Poren und treibt meist satt produzierte Beats, Keyboards und Gitarren vor sich her, strandet letztendlich aber doch als arg kalkuliertes Kunstprodukt. Mit Wonders als großmäulige Party-Diktatorin in vorderster Front und Schuster, dessen hintenrum reingereichte Rap-Einlagen gegenüber den tanzwütigen Ladies einen ungelenken Dicke-Hose-Widerpart geben. Hanebüchene Reime wie "Wir wissen nichts von Politik oder Finanzen / Elektro-Freunde sind gekommen, um zu tanzen" helfen da auch nicht weiter - oder werden gleich komplett versaubeutelt.

Musikalisch geht das Ganze zumindest streckenweise in Ordnung - auch wenn die Songs, die nicht ganz so plan mit dem Holzhammer zu Werke gehen, ihre Vorbilder kaum verhehlen können. Der energetische Pop-Klopfer "Elektrisch ist die Nacht" klingt nicht nur im Titel nach Julis "Elektrisches Gefühl", und zum quietschigen Riff aus The Cardigans' "I need some fine wine and you, you need to be nicer" gelingt Ya-Ha! mit "Herz bleibt stehen" sogar ein schwelgerischer Er-ruft-nicht-an-Liebesknochen. Akzeptable Momente eines Albums, das insgesamt aber ungefähr so funky bleibt wie eine Versuchsanordnung im Reinraumlabor. Besorgte Eltern können aufatmen: Hier schmeißt niemand die Möbel aus dem Fenster, weil er Platz zum Dancen braucht. Viel Geschrei, wenig dahinter - "Immer & überall" gewinnt keinen Blumentopf.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Herz bleibt stehen

Tracklist

  1. Robotermädchen
  2. Elektrisch ist die Nacht
  3. Magie
  4. Totales Chaos
  5. Herz bleibt stehen
  6. F.C.C.
  7. Überdosis Du
  8. Ya-ha!
  9. Made in China
  10. Alles & eins

Gesamtspielzeit: 32:37 min.