Tribes - Baby

Tribes- Baby

Island / Cooperative / Universal
VÖ: 27.01.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Was Kooks Du?!

Kenn wa doch alles schon. Groß angelegter Britpop mit einem Auge aufs Stadion? Ham wa, The Kooks. Das ganze etwas schrubbeliger und hektischer? Ham wa, die Arctic Monkeys. Oder vielleicht mit ein wenig substanzlosem Lausbubencharme? Ham wa, die Fratellis. Ein bisschen Einfluss von Grunge dazu? Ham wa doch auch, Blood Red Shoes. Was also schreiben, wenn schon alles doppelt und dreifach geschrieben steht? So langsam ist dann auch der Rubikon wirklich überschritten. Obwohl die Themse hier besser passt. Selbst die naturgegeben hyperaktive britische Presse erwacht eher nach und nach. Nur der NME, der springt immer noch sofort im Quadrat, wenn vier Bürschchen aus London ihre Instrumente gerade halten können. Indes ist "Baby", das Debüt der Camdener Tribes, der beste Beweis dafür, dass die junge britische Rockmusik in aller Ruhe dahinsiecht. Denn wenn das hier schon das nächste große Ding sein soll, dann will man den Rest dahinter erst gar nicht mehr hören.

Dabei machen Tribes gar nicht so viel falsch. Aber eben auch kaum etwas besser als andere. Ganz zu Beginn von "Baby" stehen mit "Whenever" und "We were children" zwei astreine Hits, die zunächst vermuten lassen, das ganze neuerliche Brimborium um diese Band sei gerechtfertigt. Hier treffen verzerrte Sub-Pop-Gitarren auf große Refrains im Stadionformat sowie mitreißende Melodien, und Sänger Johnny Lloyd bestätigt nur das, was hier eh schon offenkundig ist: "These things happen / We were children in the mid-90s." Auch wenn sich Kurt Cobain im Grabe drehen mag, Lloyd hat Recht, Nirvana sind hier nicht fern, ebenso wenig wie die Pixies. Nur ist eben alles viel weicher produziert. Auch das anschließende "Corner of an English field", ein etwas kitschiger Song über Lloyds Kumpel Charles Haddon, Frontmann von Ou Est Le Swimming Pool, der während des Pukkelpop Festivals 2010 Selbstmord beging, als er sich von einem Sendemast stürzte, hat noch einen charmant hymnenhaften Glanz an sich.

Danach beginnt allerdings die Misere von "Baby". Die Ballade "Halfway home" ist der erste extreme Bruch auf diesem Album, von dem es sich nie wieder so ganz erholen soll. Von "Sappho", Tribes' erster Single, die von anderer Seite warum auch immer bereits als hottest single of the world gehandelt wurde, bis zum abschließenden "Bad apple" einigen sich die Londoner auf immer zäher werdenden Britrock. Selten zuvor hat wohl ein Album auf ganzer Länge dermaßen an Spannung verloren wie "Baby". Natürlich, die Songs sind alles andere als schlecht. Das wäre ja noch etwas, wir könnten uns wenigstens darüber echauffieren. Viel schlimmer: Dieses Debüt entpuppt sich als ziemlich egal, trotz der entzückend schiefen Gitarre in "Walking in the street" oder dem Psychedelia-Appeal von "Alone or with friends". "Baby" macht es sich in der eigenen Mittelmäßigkeit gemütlich und verhungert auf halbem Wege. Aber auch hier sind Tribes in bester Gesellschaft und nicht die erste britische Band jüngerer Geschichte, der das passiert. Kenn wa, ham wa. Wolln wa nich mehr.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Whenever
  • We were children

Tracklist

  1. Whenever
  2. We were children
  3. Corner of an English field
  4. Halfway home
  5. Sappho
  6. Himalaya
  7. Nightdriving
  8. When my day comes
  9. Walking in the street
  10. Alone or with friends
  11. Bad apple

Gesamtspielzeit: 40:31 min.

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