Sport - Aus der Asche, aus dem Staub

Sport- Aus der Asche, aus dem Staub

Strange Ways / Indigo
VÖ: 27.01.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Vesuv und Irrtum

Der Weltuntergang ist nah. Unweigerlich. Das haben die Maya schon vor unfassbar langer Zeit festgestellt. 2012 wird der ultimative Abgesang. Heißt auch: Weltuntergangsstimmung in der Musik. Da darf es gerne blitzen und explodieren, rauschen und rumoren. In der Vergangenheit haben sich auch hierzulande Rockbands großen Niederlagen gewidmet: Tocotronic konstruierten das kapitulative Manifest, bei Kante geht die Welt immer ein bisschen unter und auch die verwandten Sport formulieren gerne mal den tiefen Fall. Dabei verlustierten sich die Norddeutschen gerne an staubigem Wüstenrock, um dem stets drohenden Ende auch gerecht zu werden. Geht mit Indie-Pop jetzt ja auch eher weniger. Das neue Album "Aus der Asche, aus dem Staub" zeigt sich so zwar gewohnt bissig, dennoch etwas weniger harsch: Monströse Riffs, wir erinnern gerne an "Gehirnerschütterung" vom 2008er-Album "Unter den Wolken", sind nur noch selten anzutreffen, wenngleich das dem ungeheuren Druck der Platte nicht weiter abträglich ist.

Seit jeher klingen Sport also wie eine schier unzähmbare Naturgewalt. Ihrer Musik wohnt eine wahnsinnige Spannung inne, die sich jeden Moment zu entladen droht. So beginnt auch "Aus der Asche, aus dem Staub" schwungvoll mit den verheißungsvoll losbretternden Gitarren des Openers "Wer führt Dein Leben", während das Haus nebenan mit einem Presslufthammer entkernt wird. Das wunderbar lakonische "In einem Land nach unserer Zeit" zeichnet die Menschheitsgeschichte nach und führt dem unwürdigen Dasein des Homo sapiens ein neues Kapitel hinzu. Ohne zu viel verraten zu wollen: Ein Happy End wird es nicht geben, zumindest nicht für den Menschen. Sport basteln mit ihrer vierten Platte an einer dunklen, endzeitlichen Vision und man darf sich als Hörer insgeheim schon fragen, ob Felix Müller, Christian Smukal und Co. mehr wissen als die Restmenschheit. Wird sich der Boden unter uns bald auftun und uns alle verschlucken? Bricht dieser ulkige, isländische Vulkan in einem infernalischen Schlussakt aus, und die beiden alten Brüder Vesuv und Ätna stimmen in den Chor der Unzufriedenen ein? Es darf spekuliert werden.

Doch um dem drohenden Untergang zu entkommen, satteln Sport die Hühner, mit deren Hilfe sie nach Südtexas, mitten rein in die Chihuahua-Wüste fliehen. Staubiger Stakkato-Rock untermalt diesen kühnen Gedanken, doch schlussendlich halten die Hamburger fest: "Was Du zurücklässt, wird sein Leben weiter leben." Folglich bleibt man doch im Epizentrum der Bedrohung, daheim also, schließlich leben dort auch die Liebsten. Und wenn man untergeht, dann wenigstens gemeinsam, Hand in Hand. So erscheint es nur logisch und absolut folgerichtig, dass dem ollen Gevatter Tod hier auch ein Ständchen gewidmet ist: In "Der Tod singt den Blues" spricht Schlafes Bruder zum trauernden Volk, bedauert sich selbst, da die Menschen ihn nicht leiden können. Aber irgendwer muss den Job ja machen, da kommt man nicht umhin. Solche Stücke zeichnen Sport aus, sind der, pardon, lebendige Beweis für ihre exponierte Stellung in der deutschen Rockmusik. Hier werden Ruhe und Sturm auf einen Nenner gebracht, donnergrollende Gitarren potenzieren sich ins Jenseits. Übrig bleibt eine leise Ahnung.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • In einem Land nach unserer Zeit
  • Was Du suchst
  • Der Tod singt den Blues

Tracklist

  1. Wer führt Dein Leben
  2. In einem Land nach unserer Zeit
  3. Dünnes Eis
  4. Eldorado ruft uns
  5. Wir wollten nur mal hören
  6. Sattelt die Hühner, wir reiten nach El Paso
  7. Der Tanz
  8. Was Du suchst
  9. Der Tod singt den Blues
  10. Trotzdem
  11. Den Fluss hinab

Gesamtspielzeit: 49:45 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Rumhorster
2012-03-23 18:55:37 Uhr
So so, noch ein Molotowgänger?
qwertz
2012-03-23 18:24:32 Uhr
Jemand da gewesen?
War ganz gut, wenn auch die viel zu stark aufgedrehte Klimaanlage mir wahrscheinlich eine Erkältung beschert hat. Ungewöhnlich viel junges, weibliches Publikum. Wohl auch deshalb alle etwas zurückhaltend. Hatte mit etwas mehr Testosteron in der Luft gerechnet wie vor drei Jahren beim Reeperbahnfestival an gleicher Stelle. Die Songs vom neuen Album sind auch live ein bisschen zu viel Pop. Für den fairen Preis aber eine richtig ordentliche Vorstellung, dazu Pendikel mal live erlebt - 7/10
Castorp
2012-03-05 21:29:49 Uhr

March 5, 2012

GO TELL IT TO THE MOUNTAIN

+++ PENDIKEL SUPPORT DIE GRUPPE SPORT +++ 22.03.2012 +++ MOLOTOW // HAMBURG +++
qwertz
2012-02-09 19:12:44 Uhr
Gerade mal wieder das Debüt gehört. Komme nicht so klar damit und finde es eher eigenartig. Textlich und musikalisch total anders als alles was folgte. Klingt wie ein Felix Müller-Soloalbum mit missglückten Songwritingambitionen.
Der lustige Ludwig
2012-02-09 19:06:47 Uhr
Sport ist nicht so meins.


Muahahahahahahaha, voll witzig! Der Name der Band ist Sport und ich habe mein Posting so geschrieben, dass es zweideutig gemeint ist. Hahahahahaha, ich bin grandios.:-)
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