Christina Perri - Lovestrong

Christina Perri- Lovestrong

Atlantic / Warner
VÖ: 27.01.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Fräulein, Zahlen!

Eigentlich kann Christina Perri nicht viel falsch machen. Einer Musikerin, die sich mit Hilfe eines alten Blind-Melon-Livevideos das Gitarrespielen beibrachte, die sich als erstes Tattoo die Namen der vier Beatles um das Handgelenk stechen ließ, kann man auch ohne einen Ton gehört zu haben einen Sympathiebonus entgegen bringen. Dochhalt, kein Grund für Misstrauen: Hier soll trotz Perris lobenswerter musikalischer Sozialisation natürlich vollkommen unvoreingenommen an ihr Debütalbum "Lovestrong" herangegangen werden. Begonnen bei der Single.

"Jar of hearts" heißt der Vorbote, mit dem die Amerikanerin in ihrer Heimat im Sommer 2010 aus dem Stand heraus ihre Pop-Karriere in Gang brachte. Am einen Tag kellnerte Perri noch in einem Café, am nächsten lief "Jar of hearts" in einer US-Fernsehshow, und mit dem folgenden Einstieg in die Charts war der Job Geschichte. Zum Abkassieren kam die Dame zwar auch danach noch, aber eben nur noch im Pop-Business und nicht mehr an den Café-Tischen. Auf derartige Erfolgsgeschichten stehen die Amerikaner, und wenn der Song dazu wirklich gut ist, um so besser. Auch hierzulande hat sich die dramatische, aber völlig unkitschige Ballade mit leichter Verspätung nun den Weg in die Top Ten gebahnt. Auf "Lovestrong" stellt Perri über weite Strecken unter Beweis, dass der Hit keine Eintagsfliege ist.

Klavier- und Gitarrenrock in Moll mit Texten aus dem unerschöpflichen Kosmos unglücklicher Liebe, all das hat er natürlich schon vor Christina Perri gegeben. Doch die 25-Jährige zeigt mit sanften, poppigen Ohrwürmern wie "Arms" oder "Distance", dass man selbst in diesem ausgelutschten Genre geschmackvolle Momente schaffen kann. Darüber hinaus versucht sie jedoch zuweilen, durch Abweichen von der Formel eine gewisse Eigenständigkeit zu erlangen. "Bang bang bang" etwa kontert die lässig schunkelnden Strophen mit einem kratzbürstigen Rock'n'Roll-Refrain: "You're going down, boy", droht die Sängerin da dem untreuen Freund. "Mine" versucht sich an zackigem Klavier-Polka, ehe verzerrte Gitarren durch die Szenerie wabern.

In vielen Augenblicken klingt das Album erstaunlich überzeugend, doch auch seichtere Gefilde lässt es nicht immer aus. In "Tragedy" scheint immerhin noch einmal Perris ganze Klasse durch. Die etwas weniger inspirierte zweite Hälfte ist durchaus schade, denn dass Perri das Zeug für eine große Karriere und wohl auch für ein richtig starkes Album hat, wird auf dem insgesamt immer noch überdurchschnittlichen Debüt an mehr als einer Stelle deutlich. Und wer serviert jetzt den Kaffee?

(Mark Read)

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Highlights

  • Bang bang bang
  • Jar of hearts
  • Mine

Tracklist

  1. Bluebird
  2. Arms
  3. Bang bang bang
  4. Distance
  5. Jar of hearts
  6. Mine
  7. Interlude
  8. Penguin
  9. Miles
  10. The lonely
  11. Sad song
  12. Tragedy

Gesamtspielzeit: 45:21 min.

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