Craig Finn - Clear heart full eyes

Craig Finn- Clear heart full eyes

Full Time Hobby / PIAS / Rough Trade
VÖ: 27.01.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Geschichten, die Craig schreibt

Wenn Frontmänner von Rockbands (die richtig lauten mit Verstärkertürmen, durchgängig verzerrten Gitarren und schwerhörigen Drummern) sich entscheiden, mal was alleine zu machen, um ihren Bandkollegen zumindest mal für ein paar Monate aus dem Weg zu gehen, machen sie meist zwei Dinge. Erstens schnappen sie sich die Akustikgitarre und den Barhocker. Und zweitens nehmen sie dann Songs auf, die laut Eigenaussage "so mit der Band nicht funktionieren würden". Brian Fallon, Chuck Ragan, Dave Hause, Greg Graffin, Thurston Moore. Die Liste ließe sich fortsetzen. Und andersgelagerte Totalausfälle wie Gavin Rossdales "Wanderlust" oder Chris Cornells "Scream" bestätigen nicht nur die Regel, sondern belegen auch, dass dem Hörer mit der Akustikgitarre meist das kleinere Übel droht.

Alle Erwartungen, Craig Finn schlüge mit "Clear heart full eyes" einen anderen Weg ein, sind leider falsch. Und dass die elf Songs auf seinem Soloalbum nicht im Kontext seiner Band The Hold Steady funktioniert hätten, kann man ihm allerdings nur so halb abnehmen. Wer sich noch an "Sweet part of the city" erinnert, den Opener von "Heaven is whenever", der hat den hier vorherrschenden Sound schon recht gut im Kopf. Wenn The Hold Steady mal genug vom Kneipenrock hätten, könnten sie auch diese Platte aufnehmen. Finn legt die Beine hoch, dreht die Lautstärke runter, lädt sich ein paar Slidegitarren und Streicher ein und fängt an zu erzählen. Aber die Geschichten, die er zu erzählen hat, lassen ganz schnell vergessen, dass man vielleicht gehofft hätte, etwas anderes, Innovativeres zu hören.

Mit Blues und Folk, Americana und Country untermalt Finn seine Erzählungen, die so explizit wahrscheinlich nie passieren würden, in deren Details und Situationskomik sich aber jeder hier und da wiedererkennen kann. Der eine oder andere mag Finns Obsession mit religiösen Themen oder Drogen und Alkohol ja etwas suspekt finden, aber in den überspitzten Metaphern finden sich sympathisch-kaputte Lebensweisheiten am laufenden Band. Das reicht von scheinbaren Banalitäten wie "Certain things are really hard to do / When you're living in a rented room" bis zu tieferen Einblicken ins gebrochene Herz in "No future": "I suppose you thought I'd be shaking up / I suppose you thought I"d be gushing blood / Not true, I only died on the inside."

Im Unterschied zu den meisten Hold-Steady-Songs überwiegt die Schwermut auf "Clear heart full eyes", ohne jedoch in Verzweiflung auszuarten. Atmosphärisch ist Craig Finn damit recht nahe an seiner vorigen Band Lifter Puller. Die zurückhaltende Musikuntermalung gibt ihm die Gelegenheit, sich lyrisch weiter auszubreiten als in den oftmals recht kompakten Rocksongs der letzten paar Alben seiner Hauptband. Akustikgitarre und Barhocker sei Dank.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • No future
  • New friend Jesus
  • Honolulu blues

Tracklist

  1. Apollo Bay
  2. When no one's watching
  3. No future
  4. New friend Jesus
  5. Jackson
  6. Terrified eyes
  7. Western pier
  8. Honolulu blues
  9. Rented room
  10. Balcony
  11. Not much left of us

Gesamtspielzeit: 44:42 min.

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