Julien Dyne - Glimpse

Julien Dyne- Glimpse

BBE / Al!ve
VÖ: 13.01.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Bleep, Piep und Fiep

Keiner kann es mehr lesen, keiner will es mehr schreiben, aber auch bei der vermutlich 2.319. Auflage von instrumentalem HipHop juckt es einen in den Fingern, irgendwas von Plucker ... Aber nein. Dieses Mal nicht! Wird der Platte von Julien Dyne auch nicht wirklich gerecht werden. Denn aus dem kaum noch zu überblickenden Haufen an Veröffentlichungen aus der Ecke sticht das zweite Album "Glimpse" vom neuseeländischen Beatbastler allemal hervor, und für eben jenen sind die ganzen schönen ausgelutschten Begrifflichkeiten ja eher reserviert, seitdem jeder Zweite daheim mit seinem Laptop meint, die Musik zu revolutionieren. Aber wo nun ansetzen? Bei den krummen Rhythmen oder den vergrabenen Features?

Vielleicht bei diesem hypnotischen Schimmern, das die Melodien dieser weitgehend instrumentalen Platte immer wieder nach vorne holt wie in "Rubberneck". Während sich der Bass im Hintergrund aufplustert, huscht eine Stimme durch den Beat. Dabei nimmt keines der Elemente einen besonderen Platz ein, sondern es zerfließt zu einer Komposition, vielleicht dem schönsten Kompliment, dem man einer Platte aus diesem Genre machen kann. Dyne schafft es auch ohne Probleme, in dieses Spiel seine Features einzubinden. Mit Ladi6 arbeitete Dyne ja schon etwa auf "The liberation of..." zusammen, doch statt nun einen aufgewärmten Rest aus dieser Session zu bieten, vergräbt er die Verse von Ladi6 unter einem dickärschigen Bass, während ein paar Töne aus einem Synthie eine Melodie vortäuschen dürfen. Schon "Mask" entfaltete sich nach diesem Prinzip und ließ der Melodie nur so viel Raum wie nötig. Und auch da ein paar vorgetäuschte Stimmen, die einen in diesen Weiten daran erinnern, dass hinter dem Werk "Glimpse" ein Mensch steckt. Hoffentlich.

Viele Momente hat Dyne einfach viel weiter gerückt, als es die meisten seiner Kollegen tun würden. Mit dem Katalog von Brainfeeder kann es "Glimpse" dabei allemal aufnehmen. Dabei setzt Dyne seine Beats meist so auf die Schiene, dass sie verschiedene Elemente gleichermaßen an- und wieder abstoßen. Die Vocals in "Creebin'" gehören dabei genauso zum Kern wie einzelne Effekte, die in den ersten Momenten an den Tracks abperlen. Das alles geschieht bei Dyne wesentlich unverkopfter als bei Flying Lotus, dafür aber bewusster als bei Prefuse 73. Zudem hat Dyne nicht den Fehler gemacht, die Tracks in zu kleine Happen zu splitten, sondern gibt den einzelnen Nummern genug Zeit. Es sind eben eigenständige Tracks. Wäre "Glimpse" vielleicht vor fünf Jahren entstanden, wäre die Welle vermutlich größer, die Dyne mit dieser Platte gemacht hätte. So reiht sie sich aber auf jeden Fall weit oben mit ein. Und das ist bei der Teilnehmerzahl immer noch beachtenswert genug.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Mask
  • Who are you (feat. Ladi6 and Parks)
  • Creebin' (feat. Parks)

Tracklist

  1. Bent (Intro)
  2. Mask
  3. Get closer (feat. She's So Rad)
  4. Glisten up
  5. Thirts
  6. Who are you (feat. Ladi6 and Parks)
  7. Ernst
  8. Rago
  9. Creebin' (feat. Parks)
  10. Looseends
  11. So far (feat. Mara TK)
  12. Toe
  13. Koln3
  14. Rubberneck
  15. Inner duplex 2
  16. Candy apple gray (feat. Claire Duncan)
  17. Glim
  18. Cheed
  19. Slings (Outro)

Gesamtspielzeit: 47:59 min.

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