Kaizers Orchestra - Violeta Violeta Vol. II

Kaizers Orchestra- Violeta Violeta Vol. II

Kaizerecords / Rough Trade
VÖ: 20.01.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Saftiges Mittelstück

Trotz Konzeptalben mit norwegischen Texten ist es mittlerweile leicht, Kaizers Orchestra zu mögen. Zugegeben, das Mülltonnengedresche und schleppend-fatalistische Weltuntergangsbeschwören auf "Evig pint" - was leider nichts mit einem immer vollen Bierglas zu tun hat, sondern "ewig gequält" bedeutet - mag ein wenig zu apokalyptisch für den fröhlichen Abend in der Indie-Disco sein. Aber auf der "romantischen Tragödie", wie die Band ihr dreiteiliges Werk "Violeta Violeta" untertitelt, finden sich trotz des düsteren Covers mehr als ein paar veritable Hits, die auch den Black Keys nicht schlecht stehen würden.

"Violeta Violeta Vol. II" beginnt mit einem hibbeligen Upbeat-Schlagzeug, dann setzen ein paar sonnige Klavierakkorde probehalber ein und schließlich startet der bratende Basslauf und man ist mittendrin in einer Platte, die oft viel positiver klingt, als das Cover aussieht und genauso vielschichtig ist, wie man es von Kaizers Orchestra erwartet. "I ett med verden" lässt ordentlich die Sau raus, quietscht und knarzt sich mit Kuhglocke und kaputten Gitarren melodiös und meist ein bisschen schief durch fast sechs Minuten und ist trotzdem so zugänglich wie es nur geht. Dass die Band mit "Støv og sand" gleich einen noch besseren Song hinterherschiebt, lässt die Erwartungen an "Violeta Violeta Vol. II" gefährlicherweise durch die Decke gehen. Die trotzigen Bläser in der zackig-tanzbaren Strophe und den simplen Mitsing-Refrain kriegt man nicht so schnell wieder aus dem Ohr, ob man den Text nun versteht oder nicht.

Zum Glück haben Kaizers Orchestra aber nicht nur zwei, drei gute Songs an den Anfang gestellt, sondern halten das Niveau über die knappen 40 Minuten. Nicht jedes Stück ist so simpler Rock'n'Roll wie "Faen i båten". Der Refrain von "Silver" bordet - im Gegensatz zur perkussiv-trockenen Strophe - über vor tragischem Pathos. Das schwelgerische "Drøm videre, Violeta" ist mit all den Streichern und Moll-Harmonien recht kitschig geraten. Songs wie diese bilden aber einen angenehmen Gegenpol zum sonst vorherrschenden hemdsärmeligen Garagenrock. Und vor schrägen Ideen und sympathisch-schiefen Melodiefiguren ist bei Kaizers Orchestra sowieso kein Song sicher. Im Kontext eines Konzeptalbums um Verrückte, Verschwinden und Verlassen passt so atmosphärisch alles zusammen auf "Violeta Violeta Vol. II". Laut und leise, schnell und langsam, simpel und vertrackt wechseln sich beständig ab und das Album schlägt den einen oder anderen Haken zwischen den paar Trommelschlägen zu Beginn und den abschließenden Streichern, wenn der Vorhang zum zweiten Akt mit "Den romantiske tragedien" fällt. Kurze Pause, Szenenwechsel und dann auf zum Finale.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • I ett med verden
  • Støv og sand
  • Silver

Tracklist

  1. I ett med verden
  2. Støv og sand
  3. Tusen dråper regn
  4. Drøm videre, Violeta
  5. Far til datter
  6. Faen i båten
  7. Gresk komedie
  8. Silver
  9. Domino
  10. Den romantiske tragedien

Gesamtspielzeit: 38:31 min.

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