Ahzumjot - Monty

Ahzumjot- Monty

Eigenvertrieb
VÖ: 30.09.2011

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

So nicht perfekt

Natürlich sind einem irgendwie immer diese Indie-Bands näher gewesen, die darüber singen, dass der Kühlschrank leer und der Kopf zu voll ist. Ein Maybach steht allenfalls kurz zum Halten vor der Tür, und auch die Alte läuft eher selten bis nie in Bikini oder Reizwäsche durch die Wohnung. Das Leben zeigt sich im Alter um die 20 einfach von seiner alltäglichen Seite, die Arbeitswelt prügelt einem die Träume und Wünsche aus dem Leib, und mit der eigenen Prominenz hat es sich auch erledigt. All das kam im Deutsch-Rap bis vor ein, zwei Jahren aber nicht vor - allenfalls bei Hiob oder Audio88 & Yassin. Der Rest aber drehte sich um Aggro, Masken und Bordsteingeschichten. Doch wenige Monate nach Caspers "XOXO" wird der Bruch immer deutlicher, der sich durch die hiesige Landschaft des Sprechgesangs zieht. Rockstah legte bereits letztes Jahr das Versprechen vor, das Cro und auch Ahzumjot weiter einlösen: HipHop - nach allen Seiten offen und unglaublich gut.

Mit "Monty" legt Ahzumjot sein Debüt nach - in rosa Geschenkpapier. Doch die Verpackung täuscht: Die Träume liegen längst wie alte Klamotten auf dem Boden verstreut. "Der Fall ist nicht so tief, wenn man den Abgrund kennt." Aus den Trümmern von Lady Gagas "Just dance" erhebt sich dieser unglaubliche Beat, der sich genau in den passenden Momenten steigert. "Jetzt sitze ich hier, es könnte schöner sein." Die Grundlagen für diesen Sound sind weder Soul noch Funk, sondern elektronische Beats und Samples aus dem Pop. Das mag sich lesen wie bei Kanye West oder Drake, nimmt bei Ahzumjot aber eine ganz andere Form an - und diese Referenzen würden ihm letztendlich auch in keinster Weise gerecht. Denn dafür steht dieser Sound auf viel zu eigenständigen Beinen - und er steht verdammt sicher. Verschiedene Effekte und Details geben "Monty" Tiefe. Ahzumjot setzt diese Punkte vorsichtig wie die Melodie in "Du wolltest nur Bonnie & Clyde".

Doch trotzdem fährt oft und gerne ein dicker Bass und ein Beat dazwischen, bevor es zu rührselig wird. Ahzumjot baut aber weniger auf einen klassischen Flow, was der "Das reimt sich ja gar nicht"-Fraktion bitter aufstoßen wird - aber diese Texte ziehen, denn Zeilen wie in "Einmal gegen die Wand" oder "Hauskindfrau" gingen den meisten wohl schon einmal selbst durch den Kopf. Ahzumjot spricht sie nun aus - und wo bei Casper der Pathos einsetzte, bleibt hier die Hoffnungslosigkeit, das Festhalten am eigenen Ich, während sich die Welt da draußen selbst zerlegt. Und würde man es nun trotzdem im Stil von Bennifer Rostock sagen wollen: Ahzumjot spricht einem aus der Seele. Näher geht es nicht.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Explosionsgeräusche
  • Hauskindfrau
  • Keine Zeitmaschine

Tracklist

  1. Monty
  2. STDTKDS
  3. Gassi gehen
  4. Sepia zu Gold
  5. Webcam
  6. Trotzdem Gewinner
  7. Du wolltest nur Bonnie & Clyde
  8. Einmal gegen die Wand
  9. Explosionsgeräusche
  10. Geht, okay
  11. Hauskindfrau
  12. Nicht viel
  13. Keine Zeitmaschine

Gesamtspielzeit: 53:19 min.

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Affengitarre

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2015-07-02 13:54:10 Uhr
Immer noch ein tolles Album mit guten Texten und coolen Beats.
Edit
2012-03-25 22:38:56 Uhr
*erfrischend, deutschsprachiges Hip-Hop-Werk
Klaus Kinski
2012-03-25 22:36:58 Uhr
Ich höre sonst nur Tool!
Klaus Kinski
2012-03-25 22:32:45 Uhr
Sehr gute Platte mit teils abgefahrenen Beats. In Verbindung mit dem seltsamen Flow, der eigentlich gar nicht so richtig einer ist ergibt das ein erfrischend, deutschsprachiges Hip-Hop-Werk, das meiner Meinung Respekt allein schon dadurch verdient, wenn man bedenkt, dass das Album von ihm selbst produziert und releaset wurde. Verdiente 8 Punkte.
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